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Ein alter 119-er der Kaserne Burgholzhof erinnert sich

Eingestellt von

Walther Heinz
Walther Heinz
am 11.01.2010

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Burgholzhof, Stuttgart
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Zeitzeugenbericht

Von Dr. Walther Heinz

Frisch von der Uffz-Schule entlassen kam eine Gruppe junger Schwaben im Juli 1944 auf die Burgholzhof-Kaserne, um vor der sogenannten „Frontbewährung“ eine ruhige Zeit in der Heimat zu genießen. Wir haben wenig "Dienst geschoben", spielten Federball auf dem Killesberg und bummelten in der Stadt.

Viele erfreuten sich eines heimatlich-zivilen "Absteigequartiers". So auch ich,- wohnte doch meine Großmutter in der Kernerstraße, dicht oberhalb vom Schützenplatz.

So saß ich am 20. Juli dort am Nachmittag gemütlich auf der Couch, auf dem Schrank den damals üblichen Volksempfänger. Plötzlich brach die Musik ab und es folgte die Nachricht vom gescheiterten Attentat im Führerhauptquartier.

Kurz darauf ertönte die bekannt krächzende Stimme unseres "obersten Befehlshabers". Erste Wirkung auf mich - ich wage mich nicht mehr sicher zu erinnern - ob Schreck oder Enttäuschung - wir waren einfach Soldaten!

In der Nacht vom 25. zum 26. Juli befanden wir uns, von einem Nachtmarsch zurückkehrend, in einem Weinberg unterhalb der Kaserne. Plötzlich heulten die Sirenen; eine damals alltägliche Geräuschkulisse. Aber diesmal kam alles anders: Es fielen unzählige Leuchtbomben, damals "Christbäume" genannt, die Stuttgart gespenstisch erleuchteten. Dann begann das Bombardement, ein ca. 1,5-stündiges Trommelfeuer von Sprengbomben und dazu ein Regen von Brandbomben. Allmählich entwickelte sich ein unüberschaubares Flammenmeer.

Für uns überschlug es sich dann - sofort in die Kaserne, Stahlhelm auf, Spaten ins Koppel und im Eilmarsch in die Stadt.

Verschüttete aus zerbombten Häusern befreien, Verletzte in Sanitätswagen verladen, den Feuerwehren beim Verlegen von Schläuchen helfen etc. - eine geordnete Einsatzleitung gab es für uns bald nicht mehr.

So entschloss ich mich, nach meiner Großmutter zu sehen. Kernerstraße 49 war auch ein rauchender Trümmerhaufen, die Reste vom "Brockhaus" und die Klaviersaiten waren auf der Straße noch zu erkennen.

Meine Oma hatte überlebt. Ich fand sie nach längerem Suchen mit ihrer Habe, einer verschnürten Schuhschachtel. Auf die Frage, was sie jetzt vorhabe, erwiderte sie überzeugt: "Jetzt gehe ich zum Bahnhof und fahre nach Schwaigern" (meinem Elternhaus).

Da natürlich auch der Hauptbahnhof bombardiert worden war, entschloss ich mich, sie zum Bahnhof Cannstatt zu bringen, in der Hoffnung dort einen Zug nach Heilbronn zu finden. So gingen wir los. Bei der heutigen Schwabengarage erblickte ich einen guten Bekannten aus Schwaigern auf seinem Lastwagen. Mit meinem Spaten zwang ich ihn zu halten. Verraucht und verschwitzt wie ich war, erkannte er mich erst, als ich meinen Stahlhelm abnahm. Der gute Mann sagte sofort zu, meine "Ausgebombte", wie es damals hieß, in einer Stunde mit nach Schwaigern zu nehmen. So setzten wir uns bei der Bahnunterführung auf ein "Mäuerle" das noch heute steht.

Pünktlich nach einer Stunde konnte ich die Frau Brudermüller zur "Heimfahrt" übergeben.

Wenige Tage später endete für mich als Soldat das Kapitel "Stuttgart".

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Kommentare

von Gusti Schäfer, am 11.01.2010 15:30 Uhr

Seltsam, diesen Bericht finde ich heute wieder bei den NEUEN, ist etwas schief gelaufen? Hatte ihn im Sommer 2009 schon einmal gelesen
und war sehr beeindruckt.
Vielen Dank für Ihre Erinnerungen - genau so war das damals!
HOFFENTLICH NIE WIEDER!!!


Grüße von Gusti Schäfer



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