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Weihnachten in den 60er Jahren und die elektrische Eisenbahn

Eingestellt von

Waltraud Beck
Waltraud Beck
am 21.12.2009

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Das größte Glück unserer Buben wurde unser Hobby
 

Zeitzeugenbericht

Um die Eisenbahn überhaupt bauen zu können, musste man in der Wohnung erhebliche Transaktionen vornehmen.
Das große Brett für die Bahn musste irgendwo aufliegen, wir entschieden uns für das Paidi-Bett unseres Jüngsten. Die Höhe war ideal und man konnte einige Seitenstäbe des Bettes herausnehmen, so dass man hineinsteigen konnte, wenn man den Boden zuvor herausgenommen hatte. Von unten konnte man dann an dem enorm anwachsenden Kabelgewirr hantieren, bis alles funktionierte.
Weil Jürgen das große Bett seines Bruders bekam, machte er kein Theater, dass wir sein Bettchen zweckentfremdeten. Für Dieter kauften wir ein platzsparendes Wandklappbett.
In jeder freien Minute wurde gearbeitet. Während ich für die Ausstattung zuständig war, übernahm mein Mann Helmut das Technische, er war Bahn-Fachmann, Gleis-Arbeiter, Elektriker, Konstrukteur, Berater und Chef des Ganzen.
Ich dagegen machte „Landschaft“, meine Kauflust von Faller-Erzeugnissen war nicht zu bremsen. Es blühte und grünte, es gab Buschwerk, Obstbäume und ganze Wälder und dann die Tiere. Ich baute Häusle um Häusle zusammen, klebte,verzierte und war unermüdlich in meiner Fantasie. Gartenzäune, Wege, Übergänge und immer wieder neue Häuser. Natürlich mussten diese auch bewohnt werden, alles sollte nach "Leben" aussehen. die Figürle, die es hierfür gab, waren allerliebst.
Mich wundert noch heute, dass der „Chef des Ganzen“ stillschweigend meine Einkaufstouren in Sachen Eisenbahn tolerierte.
Ich war aber auch ständig auf der Suche nach kostenlosen Utensilien. Bei jedem Spaziergang in Wald und Flur konnte man Wertvolles entdecken und ständig suchte ich bei unseren Ausflügen, Steine verschiedenster Größe, die ich für unsere„Landschaft“ unbedingt brauchte, doch da streikte der Eisenbahn-Chef, ich mußte die Steine selber tragen.
Jahrelang war die Eisensbahn im Kinderzimmer zentraler Punkt unserer Familienzusammentreffen, ging einer an den Trafo, folgten die anderen.
Die Eisenbahn ist nun verwaist, sie ruht mit allem Zubehör, in Einzelteile liebevoll verpackt, im Keller.

Dieses Bild interessiert 6 Chronisten



Zeitliche Einordnung


Kommentare

von Gertrud Eisenhut, am 22.12.2009 20:31 Uhr

Liebe Waltraud,
die elektrische Modell-Eisenbahn war und ist der "Renner", früher mit dem Trafo, heute oft schon per Computer gesteuert. Eigentlich gleich geblieben sind die Landschaften mit Allem, was dazugehört, genau so, wie Du es beschrieben hast und mit Deinen Bildern zeigst.
Weihnachten und Eisenbahn - das gehört halt zusammen!
Mit weihnachtlichen Grüßen
Gertrud

von Eberhard Heckeler, am 12.01.2010 13:29 Uhr

Ja ja; genau so war das: Die Eisenbahn war das wichtigste Weihnachts-Zubehör, gleich nach dem Christbaum.
Und bevor das mit dem Kabelgewirr unter dem Montagebrett anfing, wurden die Eisenbahngleise direkt auf den Fussboden beim Christbaum verlegt. Probeweise liess man die Aufzieh-Lok dann mal laufen. Und weil es für sie ja keine Möglichkeit der Tempo-Regulierung gab, ist sie natürlich gleich aus der ersten Kurve geflogen. Aber die MÄRKLIN hat das ausgehalten. Und wenn genügend Anhänger dran waren, dann ist sie auch brav im Kreis herum gefahren.
Und der Vater hat mitgespielt. Alles wie heute - nur ohne Strom un Elektronik.

von Dorothee Kaufmann, am 18.01.2010 17:09 Uhr

Unsere liebe Waltraud war schon als Kind sehr Eisenbahn begeistert und technisch sehr interessiert, hier ein Ausschnitt aus ihrem Bericht "Kindheit in Stuttgart von 1937 bis 1950" , der bei mir nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat ;-) :

von Dorothee Kaufmann, am 18.01.2010 17:10 Uhr

Das war die größte Überraschung für uns, als wir am Heiligabend ins Wohnzimmer durften. Nun war uns auch klar, weshalb Vater an so vielen Abenden zuvor die Wohnzimmertüre abgeschlossen hatte und wir uns nur in unserem Kinderzimmer aufhalten durften. Er erzählte, dass er monatelang für jede Schiene, für jedes Detail der Eisenbahn, an den Abenden gearbeitet hatte. Wir waren nicht mehr von der Eisenbahn wegzubekommen.

von Dorothee Kaufmann, am 18.01.2010 17:10 Uhr

Vater erklärte uns die Handhabung mit dem Trafo. Abwechselnd durften wir den Zug fahren, doch mein Wissensdurst, etwas Neues ausprobieren zu wollen, zerstörte die Idylle noch am selben Abend. Ich dachte mir, der Zug würde ja noch sehr viel schneller fahren, wenn man den Stecker statt in den Trafo, gleich in die Steckdose einstecken würde. Das musste ich sofort ausprobieren. Doch kaum hatte ich das getan, tat es einen Knall und aus der Lok sah man ein Rauchwölkchen emporsteigen. Der Blick meines Vater sagte alles, im selben Moment wusste ich, was ich angerichtet hatte. Das Bewusstsein, ihn enttäuscht zu haben, machte mir mehr zu schaffen als mein Schuldgefühl Manfred gegenüber, dem die Eisenbahn ja gehörte.

von Gertrud Eisenhut, am 19.01.2010 01:12 Uhr

Eisenbahn ohne Trafo
Herr Heckeler, genauso, wie sie es beschreiben, war es bei uns auch. Die Schienen wurden zusammengesteckt und auf dem Fußboden verlegt. Die Lok wurde mit einem Schlüssel aufgezogen und hatte einen Vorwärts- und Rückwärtsgang. Mein Vater und ich sind auf den Knien herumgerutscht. Die Freude war riesengroß! Ja, das war vor ca. sechzig Jahren! Viele Grüße von Gertrud Eisenhut



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