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Der Bau des Fernsehturms

1953-1956

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Foto: Hannes Kilian
Im Jahr 1956 hat Stuttgart sein neues Wahrzeichen bekommen. Der Fernsehturm war zu dieser Zeit mit seiner Höhe von 211 Metern das höchste Bauwerk Deutschlands und das zehnthöchste in der Welt.

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Am 5. Februar 1956 ist das heutige Wahrzeichen von Stuttgart offiziell eröffnet worden – die Baukosten für den Fernsehturm beliefen sich auf 3,5 Millionen Mark. Ein Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 6. Februar 1956 gibt die Stimmung der Eröffnungsfei­er wider.

„Heute steht dieser Schwabenstreich weithin im Lande sichtbar, und ich eröffne mit Stolz das zehntgrößte Bauwerk der Erde in Stuttgart auf dem Hohen Bopser.“ Mit diesen Worten übergab der Intendant des Süddeutschen Rundfunks, Dr. Fritz Eberhard, am Sonntag den neuen Fernsehturm der Rundfunkanstalt seiner Bestimmung. Die Baukosten beliefen sich auf 3,5 Millionen Mark. Der Intendant schloss seine Eröffnungsansprache mit den Worten: „Möge der Turm, soweit er der Fernsicht dient, die Liebe zur schönen engeren Heimat stärken, soweit er dem Fernsehen und der Rundfunkarbeit dient, dazu helfen, die Menschen in der ganzen Welt einander näherzubringen.“

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Arnulf Klett dankte dem Süddeutschen Rundfunk, dass er mit dem bis zu einer Höhe von 650 Metern über dem Meeresspiegel emporragenden Turm ein neues Wahrzeichen geschaffen habe. Auch der Eiffelturm habe bei seinem Bau vor 60 Jahren den Voranschlag um 100 Prozent überschritten, aber der Mehraufwand sei in wenigen Jahren durch den regen Besuch eingebracht worden (Anm.d.Red.: Die erste Kostenschätzung 1953 hatte noch bei 1 Million Mark gelegen.) Dieser Turm, sagte Stuttgarts Oberbürgermeister, übertreffe die vielen wunderbaren Aussichtspunkte, die es im Schwarzwald und auf der Alb gebe.

Mit einem Besuch der Rottenburger Narrenzunft, die in 150 Meter Höhe ihren traditionellen Hexentanz aufführte, klang die Einweihungsfeier aus. Vorübergehend wohnten ihr Vizekanzler Dr. Franz Blücher und der baden-württembergische Justizminister Dr. Wolfgang Haußmann mit vielen anderen Vertretern des öffentlichen Lebens, der Kunst und der Wissenschaft bei. Der Turm ist von Dienstag an der Öffentlichkeit zugänglich.


Fritz Leonhardt über sein Meisterwerk

Hinter dem damals einmaligen Stuttgarter Fernsehturm stand der Architekt Fritz Leonhardt (1909–1999). Bei der Eröffnung im Jahr 1956 schrieb er für die Stuttgarter Zeitung folgenden Bericht – Leonhardt räumte darin schon 1956 mit einigen Mythen rund um den Turm auf. Zu hören sind sie dennoch bis heute immer wieder.

(Vorbemerkung der Redaktion:) Am morgigen Sonntag wird der Stuttgarter Fernsehturm mit seinen beiden Gaststätten am Fuß und an der Spitze des Betonmastes eröffnet. Das kühne Bauwerk hat schon vor seinem Baubeginn das Interesse der Baufachleute in der ganzen Welt erregt und bisher zahlreiche Bewunderer gefunden. Aus diesem Grund haben wir den Planer, den Stuttgarter Architekten Dr.-Ing. Fritz Leonhardt, gebeten, für die Leser der Stuttgarter Zeitung noch einmal die Baugeschichte von der Idee bis zum Turm auf dem Hohen Bopser zu schildern. Die Einwohner der Landeshauptstadt und ihrer Umgebung haben Grund, an diesem Tag dem Ingenieur Leonhardt besonders dankbar zu sein, hat doch sein Entwurf zu einer Lösung geführt, die der Eigenart der Stuttgarter Landschaft am ehesten gerecht wird.

Von Dr.-Ing. Fritz Leonhardt, Beratender Ingenieur VBL Stuttgart

Unser Fernsehturm ist nunmehr fertiggestellt. Zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit ich dem Süddeutschen Rundfunk vorschlug, an Stelle des geplanten 200 Meter hohen Stahlgitter-Sendemastes einen freistehenden Betonturm mit Aussichtsplattform und Turmrestaurant zu bauen und so den Stuttgartern eine einmalige Gelegenheit zu geben, ihre Stadt und ihr Land von oben zu betrachten und manchmal dem Himmel ein Stückchen näher zu sein. Der SDR hat in verdienstvoller Weise die Idee aufgegriffen, und es ist seinen leitenden Männern und der Finanzierungsbe­reitschaft einiger Stuttgarter Firmen zu verdanken, dass sie verwirklicht werden konnte, denn zum Bauen braucht man neben der Idee und der technischen Lösung stets auch das liebe Geld.

Die Entwicklung des Projektes darf hier noch einmal kurz in Erinnerung gerufen werden. Für den Standort des Turmes hatte der Süddeutsche Rundfunk gründliche Untersuchungen angestellt, um mit einer möglichst geringen Höhe der Sendeantenne Stuttgart und die dicht besiedelten Täler seiner weiteren Umgebung „auszuleuchten“, damit man die Fernsehprogramme gut empfangen kann, was möglichst direkte optische Sicht zwischen Empfangs- und Sendeantenne voraussetzt. Die Wahl fiel auf den Hohen Bopser, wo eine Höhe von rund 200 Meter für das Anstrahlen der größeren Talsiedlungen genügte. Zur Schonung des Waldes wurde die Schneise einer Hochspannungsle­itung benützt. Standort und Höhe lagen so fest.

Für den Turmkopf hatte ich zunächst zwei Geschosse vorgesehen. Untersuchungen ergaben aber, dass man bei der großen Zahl der zu erwartenden Besucher damit nicht auskommen könnte. So wurde ein drittes Geschoss für Küchen und Toiletten vorgesehen, damit zwei ganze Geschosse für das Restaurant zur Verfügung stehen. Die Fernsehingenieure stellten fest, dass es für sie billiger und technisch besser sei, wenn die Sendeschränke möglichst nahe bei der Antenne auf dem Turm eingebaut würden. So entstand ein viergeschossiger Kopf mit rund 15 Meter Durchmesser, der jetzt durch zwei schnellfahrende Aufzüge für je 16 Personen bedient wird, die bei 4,2 Meter in der Sekunde Fahrgeschwindigkeit immerhin 700 bis 800 Personen stündlich auf und ab befördern können. Es war nicht einfach, für dieses Programm eine schönheitlich befriedigende Form des Kopfes zu finden.

Da die Kosten des Turmes von den am Kopf angreifenden Windkräften stark beeinflusst werden, musste eine windschnittige Form gewählt werden. Der kreisrunde Grundriss des Kopfes war dadurch gegeben. Mit glatten, unprofilierten Außenflächen wurden günstige Strömungswider­stände geschaffen. Es galt ferner, dem ziemlich groß gewordenen Kopf die Schwere zu nehmen, ihn so leicht wie möglich dort oben schweben zu lassen, was mit glatten Aluminiumblechen erreicht wurde. Ihr Silbergrau und die je nach der Beleuchtung glitzernden Reflexe wirken schon wie ein Teil der Atmosphäre.

Als der Bau des Turmes etwa im Juni 1954 beschlossen wurde, stand wohl seine Form und sein Raumprogramm fest, der ganze innere Ausbau und die Gebäude am Fuß des Turmes mussten jedoch noch geplant werden. Hierfür wurde auf meine Veranlassung durch die Vermittlung von Professor Gutbrod Architekt E. Heinle vom Süddeutschen Rundfunk aus beauftragt, der sich mutig und gewissenhaft dieser ungewöhnlichen Aufgabe unterzog und auch die Oberleitung der Bauausführung übernahm. Er hatte die ganzen Verhandlungen mit den verschiedenen Bauaufsichtsbehör­den zu führen, die nicht immer leicht waren, da ja die Bauvorschriften bei ihrer Entstehung von solchen Türmen noch nichts hatten wissen können: So musste manche Forderung hineingearbeitet werden, an die wir zunächst nicht gedacht hatten. Die Feuerwehr verlangte z.B. im Turmrestaurant, also auf rund 150 Meter Höhe, einen Wasserstrahl aus einem starken Rohr mit noch 4 Atü Druck, was ungewöhnlich starke Pumpen in mehreren Stufen bedingte, während uns Schaumlöschgeräte vorgeschwebt hatten.

Für das Restaurant sollte alles getan werden, um es behaglich und schön zu machen, da es ja eine Visitenkarte für Stuttgart und eine gastliche Stätte insbesondere auch für die ausländischen Besucher unserer Industrie werden sollte. Da waren nun allerlei Probleme zu lösen. In so luftiger Höhe kann man zum Beispiel keine Rollladen für den Sonnenschutz an Sommertagen einbauen, ohne die Windschnittigkeit oder die Aussicht zu verderben. Andererseits sollte man auch an Wintertagen ohne kalte Schultern an den großen Fenstern auf das verschneite Land hinausschauen können. Solche Bedingungen konnten nur mit absolut dichten Fenstern bei doppelter Verglasung mit dem teueren Thermopane und mit einer kräftig bemessenen Klimaanlage im Zusammenklang mit einer Deckenstrahlun­gsheizung gelöst werden.

Auch der Gastwirt stellte bald seine Forderungen nach einer besonders gut eingerichteten Küche, nach Anrichten, Wärmschränken und dergleichen in jedem Restaurant, und nach vielen anderen Dingen. Vor allem zeigten seine Überlegungen, dass er auch am Fuß des Turmes eine ausreichend große Gaststätte brauche, um starkem Andrang gerecht zu werden. Da im Turmkopf oben das Beste nicht billig geboten werden kann, sollte zum Ausgleich unten eine preiswerte Erfrischung, vor allem für Besuche von Schülern und Reisegesellschaften möglich sein. So entstand unten ein beachtlicher Restaurantbau mit großer Küche, während im ursprünglichen Projekt nur an eine kleine Trinkstube gedacht war.

Auch auf der Aussichtsplattform gab es noch manche Ergänzung. Wir wählten eine hohe Brüstung, damit auch zu Schwindel Neigende ohne Furcht den Ausblick genießen können. Damit war aber den Kindern die Sicht versperrt. Da wir den Müttern und Vätern nicht zumuten wollten, dass sie ihren bis 1,3 Meter gediehenen Nachwuchs noch hochheben müssten, haben wir noch eine zweite Aussichtsplattform am Turmschaft angebaut, die so weit zurückgesetzt ist, dass man ohne Gefährdung von Kindern ein offenes Geländer machen konnte. Auf so etwas kommt man, wenn man selbst Vater von vier Kindern ist. Unter dieser zweiten Plattform konnten noch Telefonzellen, Treppenverglasung und Windfang an den Aufzugtüren eingebaut werden. Außerdem wird dort der sogenannte „Fensterputz-Elefant“ eingestellt, ein kleiner vierrädriger Wagen, an dessen Rüssel der Fensterputzer in einem kleinen Aluminiumkorb über der schwindelnden Tiefe einfach hinausgehängt wird. Er kann sich vom Korb aus selbst auf- und abfahren und hängt sich zum Putzen jeweils an den rund um den Turmkopf laufenden Stangen ein.

Alle diese Einrichtungen und vor allem die Erweiterung des Projektes durch das untere Restaurant, sowie manche zunächst nicht erkennbare technische Schwierigkeit führten zu der Verteuerung des Projektes, die einmal durch die Presse ging. Der sogenannte Rohbau des Turmes ist jedoch nur um etwa 20 Prozent teurer geworden als er veranschlagt war, hauptsächlich durch Erhöhung der Sicherheiten. Dafür haben aber die Stuttgarter nunmehr einen in jeder Beziehung guten und sicheren Fernsehturm.

Was die Sicherheiten des Turmes anbelangt, so darf ich als erfahrener Ingenieur, dem schon manches schwierige und kühne Bauwerk anvertraut war, berichten, dass wir uns in dieser Hinsicht besondere Mühe gaben. So hat mein Mitarbeiter, Dipl.-Ing. W. Pieckert, der die statischen Berechnungen aufzustellen hatte, zunächst einmal den neuesten Stand der Messungen von Windgeschwindig­keiten, vom Verlauf sogenannter Spitzenböen aus dem Schrifttum und durch Rückfragen bei Wetterwarten erhoben. Danach wurde untersucht, wie weit stärkste Böen durch ihre stoßartige Wirkung oder durch eine rasche Wiederholung den Turm beanspruchen oder bei Schwingungen sogar aufschaukeln können. Es zeigte sich, dass die höchsten Windkräfte mit 1,9 multipliziert werden mussten, um in dieser Hinsicht jeder Gefahr zu begegnen. Wir haben also die in den baurechtlichen Vorschriften angegebenen Windkräfte annähernd verdoppelt und den Turm auch dann noch so bemessen, dass durchweg eine 2,5fache Sicherheit besteht. Dies bedeutet, dass bei gleichmäßiger Windgeschwindigkeit ein rund viermal so starker Sturm blasen könnte, als wir ihn bisher in unserem Land beobachtet haben, ohne den Turm zu beschädigen. Abbrechen oder umkippen würde er erst bei der 5– bis 6fachen derartigen Windlast.

Da der Baugrund gut ist und die Bauunternehmer Gustav Epple und Wayss sowie Freytag AG mit dem von der Firma Schwenk in Ulm gelieferten Zement einen hervorragend guten Beton gemacht haben, kann ich also ruhig schlafen, auch wenn mancher Stuttgarter in einer Sturmnacht aufsteht, um nachzusehen, ob die Lichter des Fernsehturmes noch leuchten. Die Qualität des Betons haben wir an rund 2700 Stellen mit einem neuartigen Gerät überprüft und konnten dabei erfreulicherweise feststellen, dass die erreichte Festigkeit noch ein gutes Stück über der verlangten lag.

Über die Schwankungen des Turmes gehen allerlei Gerüchte um. Dass er schwankt, ist ganz selbstverständlich, denn jeder Baustoff ist elastisch und verbiegt sich unter Biegekräften. Solche Verformungen können wir heute recht genau berechnen. So haben wir ermittelt, dass sich der Turm bei stärkstem Wind mit 120 kg/m2 Staudruck, vervielfacht mit dem erwähnten Stoß- und Wiederholungsfaktor von 1,9 und bei einseitiger Belastung in allen Geschossen durch Menschengedränge, auf der Aussichtsplattform um 0,61 m und an der Antennenspitze um 1,68 m ausbiegen würde. Dies sind aber nur theoretische Werte, bei denen allerdings die sogenannten zugelassenen Spannungen der Turmbaustoffe noch nicht überschritten werden. In Wirklichkeit wird sich der Turmkopf bei starkem Sturm nur um 20 bis 25 cm ausbiegen. Die Stuttgarter Sternwarte hat bisher bei Sturm nur 4 bis 5 cm Ausbiegung gemessen.

Es ist aber nicht nur der Wind, der den Turm bewegt, sondern auch die Sonne. An einem Augusttag hat z.B. das Stadtmessungsamt einmal festgestellt, dass der Turmkopf durch Sonnenbestrahlung eine Ellipse mit rund 7 bis 8 cm Durchmesser beschreibt, weil die erwärmte Seite länger wird als die im Schatten liegende. Der Turmkopf bewegt sich also von der Sonne weg.

Diese Bewegungen haben übrigens den Aufzugsingenieuren einiges Kopfzerbrechen gemacht, weil sie ihre Schienen nicht wie üblich an einem Lot ausrichten konnten, das ja durch solche Schwankungen morgens um einige Zentimeter anders hängen würde als nachmittags. Doch beweist der ruhige Lauf der Aufzüge, dass auch diese Schwierigkeiten gelöst wurden. Nun, diese Schwankungen wird man nicht bemerken, wenn man im Restaurant sitzt, weil sie sehr langsam sind. Die Grundschwingung bei Wind wird rund 5 bis 6 Sekunden dauern. Lediglich die kleineren Schwingungen, die sich vom Antennenmast auf den Turm fortpflanzen, können fühlbar werden. Ihre Ausschläge sind aber sehr gering.

Es geht nun das Gerücht um, dass der Pächter des Restaurants, Herr Radmann, bereits Anweisung habe, stets für gleichmäßige Verteilung seiner Gäste zu sorgen, weil der Turm eine einseitige Belastung des Restaurants nicht vertragen würde. Falls irgend jemand solch neckische Witze ernst nehmen sollte, sei ihm gesagt, dass der gesamte viergeschossige Turmkopf 510 Tonnen (1 Tonne = 20 Zentner!) wiegt und dass wir in diesem Turmkopf rund 300 Tonnen Nutzlast vorgesehen haben, von denen die Hälfte, nämlich 150 Tonnen, ruhig auf der einen Hälfte des Turmes stehen können, ohne dass die Baupolizei einschreiten müsste. Vergleichen wir nun damit das Gewicht von 200 Restauran­tbesuchern von 1956, also bereits wieder wohlgenährt, so beträgt dies höchstens 16 bis 18 Tonnen, also etwa ein Zehntel dessen, was der Turm einseitig tragen kann. Auch wenn alle Aussichtsplat­tformen und die Restaurants nur nach einer Seite hin belastet werden sollten, so spürt dies der Turm kaum, weil er ja für die wesentlich größeren Biegemomente berechnet ist, die ein starker Sturm hervorruft.

Noch einige Zahlen über die Gewichte. Der sichtbare Teil des Turmes wiegt immerhin 2980 Tonnen und auf den Fundamenten ruhen einschließlich der Erdauflast bis zu 8030 Tonnen. Das ist eine ganz beachtliche Last, die wir im wesentlichen auf ein nur 3,25 Meter breites Ringfundament mit 27 Meter Außendurchmesser abgesetzt haben. Ein solcher Turm steht nämlich auf diesem hochgepressten Ring ruhiger als wenn man eine durchgehende Fundamentplatte gemacht hätte, weil die Bodenpressungen bei Wind dadurch weniger schwanken. Den Übergang vom Turmschaft zu diesem Fundamentring bildet eine Kegelschale, die im Inneren mit einer auf die Spitze gestellten zweiten Kegelschale gegen eine Bodenplatte aus Spannbeton ausgesteift wird. Die Berechnung dieses neuartigen Gründungskörpers bedingte schwierige mathematische Lösungen, die Dipl.-Ing. Pieckert meisterhaft durchgeführt hat. Zwischen diesen Kegelschalen entstand nun ein Raum von eigenartiger Wirkung, der vielleicht einmal noch einer geeigneten Nutzung zugeführt wird.

Nach den deutschen Regeln waren unsere Berechnungen und Überlegungen zur Standsicherheit des Turmes baupolizeilich zu prüfen. Dieser verantwortungsvo­llen Aufgabe hat sich Professor Dr.-Ing. K. Deininger von der Technischen Hochschule Stuttgart mit großer Gewissenhaftigkeit unterzogen, der auf Grund seiner umfangreichen praktischen Erfahrungen beim Bau von Stahlbetonschor­nsteinen manche Anregung geben konnte und so wesentlich zum Gelingen des Bauwerks beitrug.

Bei der Bauausführung haben die beiden bereits genannten Firmen Gustav Epple und Wayss u. Freytag AG ihr Bestes gegeben, um dieses repräsentative Bauwerk sauber und gut zu errichten. Mit besonderer Dankbarkeit darf erwähnt werden, dass die zum Teil recht schwierigen und luftigen Arbeiten ohne ernsthaften Unfall durchgeführt wurden. Den Männern, die oben am Turm in Wind und Wetter die Arbeiten ausführten, gebührt immer wieder besondere Anerkennung. Die Stuttgarter Zeitungen haben ja wiederholt über ihr Wirken berichtet. Dies gilt vor allem auch für die Monteure der Mannesmann-Leichtbau GmbH, München und der Stahlbau-Firma Hein, Lehmann und Co, Berlin, welche das Rohrgerüst für den Kopf und den Antennenmast montierten.

Leider ist es mir hier nicht möglich, die Arbeit der vielen Firmen zu würdigen, die den inneren Ausbau durchgeführt haben. Ich hoffe, dass Herr Architekt Heinle der Stuttgarter Öffentlichkeit hierüber einmal berichten wird. Die Inneneinrichtung der Restaurants, von Frau Professor Maria Witzemann gestaltet, wird an anderer Stelle gewürdigt. Dass die luftige Aufzugskiste, die monatelang Menschen und Material hinauf befördert hat, jetzt durch zwei prächtige Aufzüge der Firma Haushahn abgelöst wurde, wird von manchen bedauert, welche die Freiluftfahrt als besonderen Genuss empfanden.

Es ist mir nun ein Bedürfnis, auch an dieser Stelle allen am Bau dieses ungewöhnlichen Fernsehturmes beteiligten Ingenieuren, Architekten, Handwerkern und Arbeitern, insbesondere aber dem Bauherrn, dem Süddeutschen Rundfunk, seinem Aufsichtsrat und Bauausschuss und besonders den privaten Geldgebern herzlich dafür zu danken, dass diese Idee verwirklicht werden konnte. Am Tage der Einweihung habe ich den Wunsch, dass dieses Bauwerk meinen Landsleuten immer mehr gefallen möge, dass möglichst viele aus nah und fern den prachtvollen Ausblick auf unser schwäbisches Heimatland von dort oben genießen mögen, und dass die Stuttgarter dann langsam stolz werden auf ihren Fernsehturm.


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