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Kaufhäuser in Stuttgart

1881-2009

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Vor kurzem musste der Arcandor-Konzern Insolvenz anmelden. Dies betrifft auch die beiden Karstadt-Filialen in Stuttgart. Ein Rückblick in die wechselhafte Geschichte der Kaufhäuser in der Stadt.

Von Matthias Ring

„So erfolgreich, sparsam und konsequent wie er war, hätte Rudolph Karstadt auch ein Schwabe sein können“, sagte OB Wolfgang Schuster 2006 anlässlich zum 125-jährigen Bestehen von Europas größtem Kaufhauskonzern. Und der Stuttgarter Geschäftsführer Matthias Ecke sagte damals: „Nach der erfolgreichen Neuausrichtung blicken wir voll Zuversicht in die Zukunft.“

Und nun? Ist die Zukunft ungewiss, auch wenn die beiden Stuttgarter Karstadt-Filialen wohl vergleichsweise gut dastehen. Die Geschichte der Kaufhäuser in Stuttgart ist recht wechselhaft, Namen kamen und gingen, der einzige, der seit der Eröffnung des Stammhauses im Jahr 1881 geblieben ist, ist der des Platzhirschen Breuninger. Den Namen Karstadt, dessen Firmengeschichte ebenfalls 1881, aber in Wismar begann, hingegen gibt es in Stuttgart erst seit 1986. Damals wurde der Hertie-Konzern übernommen und die beiden Häuser aufgehübscht. Aus dem an der Ecke Schulstraße/König­straße wurde ein „Weltstadthaus“, und die Filiale beim Bahnhof ein Sporthaus. Beide zusammen haben rund 30 000 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Aus Union wurde Hertie, aus Schocken das Merkur

Das Schicksal, das nun Karstadt ereilen zu scheint, haben schon andere erfahren – besonders am Standort Königstraße 27. Vor Hertie hieß es Warenhaus Union, eröffnet hat das Haus im Jahr 1905 Hermann Tietz. Ähnlich wechselhaft ist die Geschichte der Galeria Kaufhof – besonders die der Filiale in der Eberhardstraße. Bis zum Zusammenschluss von Horten und Kaufhof im Jahr 1996 hieß es Galeria Horten, davor seit 1972 einfach nur Horten, davor seit der Neueröffnung im Jahr 1961 Merkur. Ein Name, für den die Nazis durch eine „Arisierung“ des Namens Schocken sorgten. Doch das ist nicht der eigentliche Skandal, sondern, dass das alte Kaufhaus Schocken auf Drängen von Horten abgerissen wurde. Es handelte sich dabei um einen Klassiker der Moderne des Berliner Architekten Erich Mendelsohn, der für den jüdischen Kaufhauskönig der 20er Jahre Salman Schocken eine Filiale baute, die 1928 eröffnet wurde. Ein Bauhaus-Traum aus Glas, Metall und klaren Linien. Seit dem Neubau im Jahr 1961 kann man nun wie in vielen anderen Städten die sogenannte Eierkartonfassade des Architekten Egon Eiermann bewundern.

Breuninger wird auch ohne Breuninger immer größer

Aber was wäre Stuttgart ohne den bereits genannten Breuninger, dessen Betonklotz am Markplatz nun auch nicht gerade als Schönheit zu bezeichnen ist? Vermutlich um einiges ärmer, spült der schon seit Jahrzehnten deutschlandweit agierende Konzern doch einiges an Gewerbesteuer in die Kassen. Das Stammhaus in Stuttgart ist nach dem Harrods in London das zweitgrößte Kaufhaus in Europa, das sich in Privatbesitz befindet. Gegründet wurde es 1881 von Eduard Breuninger, nachdem er das am Marktplatz gelgene Haus der E.L. Ostermayer übernommen hatte. Es folgte ein Umzu ein paar Häuser weiter, ehe 1903 das alte Haus durch ein größeres ersetzt wurde. Trotz Weltwirtschaf­tskrise in den 20er Jahren ging der Ausbau weiter, später unter der Leitung des Sohnes Alfred Breuninger, nach dem Zweiten Weltkrieg, der auch die Breuninger-Häuser zerstörte, wiederum durch dessen Sohn Heinz Breuninger. Dieser schaute sich in den USA so manche Neuheit ab und führte 1959 als erstes in Deutschland eine Kundencard ein. In den 70er Jahren baute er den Holländer Willem van Agtmael als seinen Nachfolger auf, der heute noch Leiter der Geschäftsführun­g ist.

Die 1973 beziehun­gsweise 1980 eröffneten Breuningerländer in Ludwigsburg und Sindelfingen gelten zwar als die ertragsstärksten, der „Flagshipstore“ ist und bleibt aber das Stammhaus in Stuttgart. Und auch für dieses liegen schon die Ausbaupläne in der Schublade – das sogenannte Da-Vinci-Projekt, dessen Dimensionen von 50 000 Quadratmetern im Herzen der Stadt so manchem Sorge bereiten – zumal davon auch das ehemalige Hotel Silber bedroht ist, die einstige Gestapozentrale, von der eine Intiative fordert, dass sie zum Gedenkort eingerichtet werden soll. Denn auch das gehört zur wechselhaften Geschichte der Stadt.


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