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Die Chronik des 20. Jahrhunderts

1900-1999

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Zeitliche Einordnung


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Foto: Stadtarchiv Stuttgart
Bitte recht freundlich ... Die frühen Aufnahmen waren alles andere als Schnappschüsse. Hier ein Bild vom Akademiefest 1913.

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Von 52 526 installierten Glühlampen im Jahr 1900 bis hin zu 200 000 Menschen auf dem Schlossplatz, die im Jahr 1999 die Sonnenfinsternis sehen wollen. Mehr als 400 Ereignisse und noch mehr Fakten zu 99 Jahren Stadtgeschichte. Zusammengestellt von Matthias Ring.


1900–1918

1900

7.6. – Nach einem Beschluss des Gemeinderats erhalten die Schuldiener die neue Bezeichnung Hausmeister.

1.12. – Die allgemeine Volkszählung ermittelt 176 699 Einwohner, die Zahl der Ausländer beträgt 3851.

Die Zahl der installierten Glühlampen hat sich von 9439 im Vorjahr auf 52 526 erhöht. Die Straßenbahnen haben im Jahr 14 Millionen Personen befördert.

Eröffnung des Friedrichbaus, das als eines der besten Varietés in Deutschland gilt.


1901

18.1. – Herausgegeben von der Stuttgarter Gemeindeverwaltung erscheint erstmals das Amts- und Anzeigenblatt der Stadt Stuttgart, zugleich Amtsblatt der königlichen Bezirksbehörden.

Gottlieb Honold entwickelt bei Bosch den Hochspannungszünder.


1902

19.1. – Nach einer Aufführung der „Meistersinger“ bricht im königlichen Hoftheater Feuer aus. Das Gebäude brennt bis auf die Grundmauern nieder.

13.3. – Der Gemeinderat stimmt einer Vereinbarung mit dem Schönheitsverein zu, wonach die Pflege der öffentlichen Anlagen künftig der Stadt obliegt.


1903

David Sanwald eröffnet in der Böblinger Straße eine Brauerei für obergäriges Bier.

Die Stuttgarter Postboten werden mit Fahrrädern ausgestattet.


1904

16.7. – Nach einem Entwurf von Wilhelm Kreis errichtet man 50 nahezu identische Bismarcktürme im Deutschen Reich. Die Stuttgarter Ausführung wird nach kurzer Bauzeit auf dem Gähkopf eingeweiht.

Die elektrische Straßenbahn Bopser-Neue Weinsteige-Degerloch geht in Betrieb.


1905

1.4. – Nach sechsjähriger Bauzeit wird das neue spätgotische Rathaus eingeweiht.

19.10. – Stuttgart tritt dem Deutschen Städtetag bei. Zur konstituierenden Sitzung reisen Oberbürgermeister Gauß und drei Stadträte am 27. November nach Berlin.

1.12. – Der König hat bestimmt, dass für die Aufnahme von Frauen an die Technische Hochschule dieselben Bedingungen wie für Männer gelten.


1906

1.7. – In der Tübinger Straße eröffnet der Kinematograph Edison das erste Kino Stuttgarts.

1.8. – Anlässlich der Lieferung des 100 000. Magnetzünders führt Robert Bosch den Achtstundentag ein. Bis zu 17 Stunden sind derzeit durchaus üblich.


1907

18.-24.8. – Zum ersten internationalen Sozialistenkongress auf deutschen Boden kommt auch Lenin in die Stadt.


1908

5.8. – Am zweiten Tag der Fernreise des Grafen Zeppelin muss sein Luftschiff lz4 wegen Motorschadens bei Echterdingen landen, wo es von einem Sturm aus der Verankerung gerissen wird und explodiert.

7.11. – Nachdem eine ledige Dienstmagd aus Verzweiflung im Hauptbahnhof ihr Kind getötet hatte, gründet Herzogin Wera die Stiftung „Zufluchtsstätten in Württemberg“. Kurz darauf entsteht mit dem Weraheim das erste Stuttgarter Frauenhaus.


1909

12.5. – Der teilweise Umbau der Altstadt, dem auch Häuser aus dem 14. Jahrhundert zum Opfer fielen, wird mit der Enthüllung des Hans-im-Glück-Brunnens gefeiert.

6.12. – Die kaiserlichen Majestäten besuchen Stuttgart und werden jubelnd empfangen.


1910

1.1. – Die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge beträgt 489, darunter 85 Lkw.


1911

12.5. – Karl Lautenschlager wird gewählt, am 5. September wird ihm vom König der Titel Oberbürgermeister verliehen.

28.5. – In Anwesenheit des Königspaares wird das Linden-Museum eröffnet.


1912

20.6. – Auf Beschluss der Gemeindekollegien wird schrittweise die achtjährige Schulpflicht eingeführt.

14.9. – Das von Max Littmann erbaute Große Haus der Württembergischen Staatstheater wird eröffnet, tags darauf das Kleine Haus.

16.11. – Die letzte württembergische Landtagswahl der Königszeit.


1913

28.3. – Das Kunstgebäude wird eingeweiht und am 8. Mai mit einer großen Stuttgarter Kunstausstellung eröffnet.

1.4. – Einrichtung der städtischen Berufsvormundschaf­t, des späteren Jugendamts.

6.5. – Die Stuttgarter Kickers werden Süddeutscher Fußballmeister.

September – Die ersten öffentlichen Telefonzellen werden aufgestellt.

20.9. – Die Stadt erwirbt von den Erben der Herzogin Wera die Villa Berg.


1914

30.1. – Die Stuttgarter Markthalle wird eingeweiht.

31.7. – Bekanntgabe des der Mobilmachung vorausgehenden „Zustands drohender Kriegsgefahr“.

2.8. – Als erste Stuttgarter Truppen ziehen die Dragoner aus Cannstatt und das II. Bataillon der Olga-Grenadiere in den I. Weltkrieg.

21.9. – Erste Gefallene werden auf dem Waldfriedhof beigesetzt.


1915

1.1. – Erstmals werden Frauen im Postdienst eingesetzt, ab Juni auch bei den Straßenbahnen.

12.3. – Einführung der Brotkarte (200 Gramm Mehl täglich, ab Hebst nur noch 175 Gramm).

22.9. – Der erste von zehn Fliegerangriffen, bei denen 22 Menschen ums Leben kommen.


1916

23.5. – Erste Demonstrationen gegen die Fortsetzung des Kriegs werden auf dem Karlsplatz von der Polizei aufgelöst.

Sommer  – Die nasse Witterung vernichtet fast die gesamte Kartoffelernte.

Winter  – Kohlennot bringt die Energieversorgung beinahe zum Erliegen. Schulen, Theater, Museen und Bäder müssen zeitweilig geschlossen werden. Die Sommerzeit wird eingeführt.


1917

10.1. – Das Deutsche Auslandsinstitut wird gegründet.


1918

8.11. – König Wilhelm II. ernennt noch eine letzte parlamentarische Regierung, doch am 9. November ist bereits die unblutige sogenannte Stuttgarter Revolution in Gange. Der König reist nachmittags nach Bebenhausen ab. Dort stribt er am 2. Oktober 1921.

Die Sommerzeit wird eingeführt.


Weimarer Republik

1919

12.1. – Allgemeine geheime und gleiche Wahlen zum Württembergischen Landtag werden abgehalten.

15. 3. – Das Gesetz über das Gemeindewahlrecht und die Gemeindevertretung bestätigt auch das passive und aktive Wahlrecht für Frauen.

Frühjahr – Gründung einer Volkshochschule für Groß-Stuttgart.

April – Auf der Wangener Höhe kommt es zu einem Gefecht zwischen Spartakisten und der Sicherheitstruppe von Landwehrleutnant Paul Hahn, der für Ruhe und Ordnung in der Stadt sorgen soll. Im Sommer wollen radikale Räte auf dem Schlossplatz demonstrieren, Hahn dämmt mit der Pistole in der Hand den Aufruhr ein.

Juli – Ludwig Leuze übernimmt als Pächter sein Mineralbad, das die Stadt 1919 gekauft hat.


1920

4.3. – Hitler ist zum ersten Mal in Stuttgart und spricht bei einer Veranstaltung des deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes im Dinkelackersaal.

15.3. – Während des Kapp-Putsches flüchtet die Reichsregierung nach Stuttgart, die Nationalversammlung wird nach Stuttgart einberufen.

26.8. – Nach einem Aufruf zum Generalstreik werden die Großbetriebe Daimler, Bosch und die Esslinger Maschinenfabrik von der Polizei besetzt und geschlossen. Unter kräftiger Beteiligung der Kommunisten dauert der Konflikt bis zum Ende des Streiks am 4. September.

10 000 Anträge auf Aufnahme ins Obdachlosenheim werden gestellt.


1921

Frühjahr – Die Stadtläufe „Rund um Stuttgart“ werden eingeführt, an denen 1927 schon 74 Mannschaften mit 2520 Läufern teilnehmen.

16.12. – Reform der Polizeiverwaltung. Die Ortspolizei wird verstaatlicht und zusammengefasst, blauer Rock, Pickelhaube und Kurzsäbel verschwinden aus dem Stadtbild.

Wegen der Auswirkungen des Krieges gibt es nur noch 679 zugelassene Kraftwagen.


1922

18.6. – Erste Bergprüfungsfahrt vom Schützenhaus zur Solitude, Vorläufer des Solituderennens.

22.10. – In der Nacht zum 23. Oktober wird der Stuttgarter Hauptbahnhof von der Friedrichstraße in das Bonatz-Gebäude verlegt.

Eingemeindung von Hedelfingen, Obertürkheim, Botnang und Kaltental. 1929 Hofen. 1931 Zuffenhausen, Rotenberg und Münster. 1933 Mühlhausen, Zazenhausen und schließlich auch Feuerbach mit Weilimdorf, das seine Unabhängigkeit zäh verteidigt.

Die Inflation ist auch im Haushaltsentwurf abzulesen. Dort stehen im Juli Ausgaben von 1579 Mark, die bei der Schlussrechnung zum Jahresende 27,5 Milliarden Mark betragen. Ende 1923 ist eine Goldmark eine Billion Papiermark wert.

Die Villa Reitzenstein wird für 5,8 Millionen Mark als Regierungssitz erworben.


1923

Auf der Uhlandshöhe wird die Sternwarte eingeweiht, die einer privaten Initiative des Vereins Schwäbische Sternwarte zu verdanken ist.


1924

12.4. – Geburt des Süddeutschen Rundfunks; die ersten Senderäume werden im früheren Waisenhaus am Charlottenplatz eingerichtet. 9839 Rundfunkhörer werden gezählt, die bis zum Jahr 1931 auf 41 706 steigen.

Herbst – Nach 14-jähriger Pause findet erstmals wieder ein Landwirtschaf­tliches Hauptfest in Verbindung mit dem Cannstatter Volksfest statt.

Die Stadt ist wieder schuldenfrei, das im Haushalt ausgewiesene Reinvermögen ist mit 167 Millionen Mark doppelt so groß wie vor dem Krieg. Stuttgart gilt als teuerste Stadt im Reich.


1925

30.3.  – Rudolf Steiner, der 1919 in Stuttgart an der ersten Waldorfschule unterrichtete, stirbt.

Die Stadt erhält ein Gesundheitsamt. 1926

10.7. – Einweihung der Stadthalle zwischen Neckarstraße und Berger Park mit ihrem 5000 Quadratmeter großen Saal.

Der Gemeinderat beschließt im Rahmen eines städtischen Wohnungsbaupro­gramms das Weissenhof-Areal für den Bau einer geschlossenen Versuchssiedlung mit 60 Wohnungsein­heiten zur Verfügung zu stellen.

Umgestaltung des alten Bahnhofs zum Ufa-Palast. Fusion der Daimler-Motoren-Gesellschaft mit der Benz & Cie zur Daimler-Benz AG.


1927

Bau des Heslacher Schwimmbads, dessen Halle mit 50 Meter Länge zeitweilig die größte Deutschlands ist.

Bei Daimler-Benz werden die Karosserieteile nicht mehr von Hand, sondern maschinell hergestellt. Die Firma hat eine Belegschaft von 16 273 Mitarbeitern.


1928

Der Turm des „Stuttgarter neuen Tagblatts“ steht.

Die Stadt Stuttgart entschließt sich, ein eigenes Stadtarchiv einzurichten.


1929

Winter – Eine schwere Grippeepidemie fordert zahlreiche Todesopfer.

Mit dem schwarzen Freitag am 25. Oktober 1929 in New York beginnt die Weltwirtschaf­tskrise. Haushaltssorgen überschatten auch die 700-Jahrfeier der Stadt Stuttgart. 18 000 Menschen sind arbeitslos, 12 000 mehr als im Jahr zuvor.

Aus dem Stuttgarter Verein für Fremdenverkehr entsteht der Verkehrsverein Stuttgart, der mit Hilfe von Presse und Rundfunk Werbung für die Stadt macht. Die Übernachtungszahlen steigen auf 350 000, zehn Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland.

Auf 25 Einwohner kommt ein Kraftwagen, womit Stuttgart neben München an der Spitze der Republik steht.


1930

7.12. – Hitler nimmt in der Schillerstraße einen Vorbeimarsch ab.


1931

Frühjahr – Nach blutigen Straßenkämpfen radikalisierter Gruppen verbietet Staatspräsident Bolz Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel.

21.12. – Brand des Alten Schlosses.

Porsche lässt sich mit seinem Büro in Stuttgart nieder.


1932

24.4. – Bei der Landtagswahl werden die Nationalsozialisten mit 23 Abgeordneten stärkste Fraktion.

Beginn des Baus der ersten und einzigen Hängebrücke Stuttgarts an der Neuen Weinsteige.

Jeder fünfte erwerbsfähige Stuttgarter ist arbeitslos, insgesamt 40 000.


1933–45

1933

15.2. – Hitler kommt zu einer Wahlkundgebung in die Stadthalle, die auf den Marktplatz und für Millionen von Rundfunkhören übertragen werden soll. Kommunisten kappen das Kabel, Goebbels schäumt.

12.3. – Gauleiter Wilhelm Murr wird zum württembergischen Staatspräsidenten gewählt. Bei der Machtübernahme erklärt er im Hof des neuen Schlosses: „Wir sagen nicht: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Nein, wer uns ein Auge ausschlägt, dem werden wir den Kopf abschlagen.“

9.5. – Karl Strölin übernimmt von Karl Lautenschlager das Amt des Oberbürgermeisters.

25.6. – Die sozialdemokra­tischen Gemeinderäte werden zu den Verhandlungen nicht mehr zugelassen.

Juni  – Die allgemeine Volkszählung ergibt 416 522 Einwohner, davon 4876 jüdische.

22.-30.7. – 200 000 Turner nehmen im neu gebauten Neckarstadion auf dem Cannstatter Wasen am 15. Deutschen Turnfest teil, das zur Propagandaveran­staltung ausgeschlachtet und von Hitler besucht wird.


1934

21.3. – Am „Großkampftag der Arbeitsschlacht“ wird zwischen Plieningen und Bernhausen auch mit dem Bau der Autobahn von Stuttgart nach Ulm begonnen.


1935

September – Die Arbeitslosenzahl ist von 42 000 im März 1930 auf nun 3128 gesunken.

19.12. – Fünf Tage vor Weihnachten erlebt Stuttgart die erste Verdunklungsübung.


1936

30.1. – Das erste „Rassenschande­urteil“ wird gefällt und ein mit einer Arierin befreundeter Jude zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Im Sommer werden die Freibäder „judenfrei“.

Mai – Erstmals fährt der „fliegende Stuttgarter“ genannte Zug mit einer Höchstgeschwin­digkeit von 160 Stundenki­lometern von Stuttgart nach Berlin.

27.8. – Hitler verleiht Stuttgart den Titel „Stadt der Auslandsdeutschen“


1937

30.5. – 7000 Luftschut­zwarte werden verpflichtet, an den Schulen finden Luftschutztage statt, vom 1. bis 3. Dezember findet in ganz Württemberg eine Übung mit simulierten Fliegerangriffen und Verdunkelung statt.


1938

20.7. – Der „Hitlergruß“ wird in Württemberg verbindlich eingeführt.

9.11. – Die Synagogen in Stuttgart und Cannstatt werden in Brand gesteckt. In diesem Jahr werden auch die letzten jüdischen Läden und Unternehmen geschlossen.


1939

22.4. – Die dritte Reichsgartenschau wird eröffnet, die am 2. September wegen der „gegenwärtigen Umstände“ geschlossen wird. Denn am 1. September beginnt mit dem Überfall auf Polen der II. Weltkrieg.

3.9. – Mit der Kriegserklärung von Großbritannien und Frankreich tritt erstmals die volle Verdunkelung der Stadt in Kraft. Die Apostelfiguren der Stiftskirche und Kunstschätze der Staatsgalerie werden in bombensicheren Räumen untergebracht.


1940

März – Nach einem strengen Winter wird mit dem Bau von Schutzräumen und Turmhäusern begonnen. An verschiedenen Stellen werden große Löschwasserbehälter installiert.

28.4. – Das Robert-Bosch-Krankenhaus wird eröffnet.

18.6. – In der Nacht kommt der erste Zug mit Verwundeten von der Ostfront an. 2000 bis 3000 Soldaten befinden sich schon in den Stuttgarter Lazaretten.

25.8. – Beim ersten von zwanzig Bombern durchgeführten Luftangriff auf Stuttgart sterben fünf Menschen. Die Polizeistunde wird von 24 Uhr auf 22.30 Uhr vorverlegt.


1941

Der Mangel an kriegswichtigen Rohstoffen wird immer spürbarer, Kirchenglocken werden zum Einschmelzen abtransportiert. 79 Flakgeschütze sind aufgestellt.

Wegen „kriegswirtschaf­tlicher Notwendigkeit“ werden die Reste der bürgerlichen Presse beseitigt. Davon betroffen sind etwa der „Schwäbische Merkur“, die „Cannstatter Zeitung“ und die „Feuerbacher Zeitung“. Fast alleine übrig bleibt der „NS-Kurier“

Der Beginn des Schuljahrs wird vom Frühjahr auf den September verlegt. Die Sütterlin-Schrift wird von der „deutschen Normalschrift“ abgelöst.

November – Jüdische Bürger werden in ein Sammellager auf dem Killesberg zusammengetrieben, von wo sie aus in die Konzentrationslager im Osten abtransportiert werden.


1942

Januar – Der Kohlevorrat beim städtischen Gaswerk reicht nur noch für einen Tag, die Bevölkerung darf keine Gasheizungen, -Gasback und -badeöfen mehr benutzen und auf Gasherden nur noch zu bestimmten Zeiten kochen.

12.3. – Im Alter von 80 Jahren stirbt Robert Bosch. Aus ganz Deutschland gehen so viele Aufträge für Kränze ein, dass einige Blumengeschäfte den Ladenverkauf einstellen müssen.

5.5. – Stuttgart ist ebenso wie am 7. Mai, 29. August und 22. November Ziel von Luftangriffen, bei denen 41 Menschen sterben. Thorwaldsens Schillerdenkmal wird in den Wagenburgtunnel geschafft.


1943

Sechs schwere Luftangriffe, am 6. September erstmals bei Tag unter Beteiligung amerikanischer Flugzeuge, fordern 971 Menschenleben. Stuttgart wird zur besonders luftgefährdeten Stadt erklärt und in die „erweiterte Kinderlandver­schickung“ aufgenommen. Ende des Jahres sind 35 000 Kinder umquartiert.

Neben 43 Vernebelun­gsstellen in Feuerbach und 32 in Cannstatt werden weitere 23 in Gablenberg, Ostheim und Gaisburg errichtet. Helle Häuser werden mit Tarnfarbe bemalt. Inzwischen gibt es 136 verschiedene Arten von Lebensmittelkarten und Berechtigungssche­inen.

Die Todesstrafe wird häufig auch wegen nichtiger Vergehen wie Tausch von Textilien gegen Lebensmittel, Diebstahl bei Kameraden oder Betrügereien verhängt.


1944

Stuttgart wird 25 Mal von bis zu 600 Flugzeugen angegriffen. 2750 Menschen sterben. Ende des Jahres sind fast alle Kirchen, Krankenhäuser, die meisten öffentlichen Gebäude, die Industrie- und Wirtschaftsbe­triebe, die TWS und 70 Prozent aller Häuser mehr oder weniger beschädigt.


1945

19.3. – Der Führererlass sieht unter dem Stichwort „Nero“ die völlige Räumung und unter dem Stichwort „Schwabentreue“ die Zerstörung der Stadt vor. Oberbürgermeister Strölin und Vertreter aus der Wirtschaft versuchen, das Prinzip „verbrannte Erde“ zu verhindern.

10.4. – Strölin übermittelt die Kapitulationser­klärung der Stadt durch einen Mittelsmann an die Alliierten.

19.4. – Der 53. und letzte Luftangriff auf Stuttgart erfolgt. Ein Befehl des Reichssicherhe­itshauptamtes zur Verhaftung Strölins wird vom diensthabenden Funker nicht weitergegeben.

22.4. – Um 11 Uhr übergibt Strölin im Degerlocher Gasthof Ritter dem französischen General Schwarz die Stadt und benennt Arnulf Klett als seinen Nachfolger. Am 24. April wird er von inzwischen eingerückten Amerikanern verhaftet, die ihn bis Mai 1948 internieren.

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Die Nachkriegsjahre

1945

8.5. – Zur Zeit der bedingungslosen Kapitulation leben in der Ruinenstadt noch 266 067 Menschen. Etwa 4500 Stuttgarter sind bei Bombenangriffen getötet worden, 15 142 sind gefallen oder in Gefangenschaft gestorben. 1486 Menschen haben ihr Leben im Widerstand verloren, die Zahl derer, die in verschiedenen Konzentration­slagern umgekommen sind, ist nicht bekannt. Fünf Millionen Kubikmeter Schutt bedecken die Stadt, von den 15 Neckarbrücken sind 13 zerstört. Der Kriegsschaden wir auf 11,5 Milliarden Mark gerechnet.

11.5. – Die ersten vier Straßenbahnlinien fahren wieder. Stuttgart ist die erste Stadt mit einem bescheidenen öffentlichen Verkehrsangebot, das auch zum Gütertransport benutzt wird.

8.7. – Die französische Besatzung muss den Amerikanern weichen, die am 19. September den Zusammenschluss zu Baden-Württemberg mit Regierungssitz Stuttgart verfügen. Zum Ministerpräsidenten wird Reinhold Maier ernannt. Ende September sind wieder vier politische Parteien zugelassen.

18.9. – Als erste deutsche Zeitung erscheint am 18. September die Stuttgarter Zeitung.

1.10. – Die Schulen werden wieder geöffnet.

24.11. – Ausschreibung eines Wettbewerbs für die Neubebauung des Stadtkerns.

Ende des Jahres leben 367 193 Menschen in der Stadt, was bei Unterbringung und Versorgung zu Problemen führt. Erwachsene erhalten pro Tag 852 Kalorien.

Auseinanderset­zungen mit raubenden und plündernden Zwangsarbeitern aus den östlichen Ländern kosten 55 Stuttgartern das Leben.

Viele Evakuierte strömen heimlich in die Stadt zurück, in der wegen der starken Zerstörung Zuzugssperre herrscht. An der Durchgangsstation Untertürkheim, dem „Umschlagplatz deutschen Elends im Jahre 1945“, versucht das Rote Kreuz, den Strom von täglich bis zu 5000 Personen mit Essen zu versorgen.

46 000 Raummeter Holz werden in den Wäldern Stuttgarts geschlagen, jedes Ästchen als Reisig gesammelt, da die Versorgung mit Strom und Gas katastrophal ist und von Mai bis Juli auch keine Kohlen mehr eintreffen.


1946

14.1. – Der erste Schnellzug fährt wieder in den Hauptbahnhof ein.

26.5. – Bei den ersten demokratischen Gemeinderatswahlen seit 1933 wird die SPD stärkste Fraktion.

Juni – Der VfB wird durch ein 1:0 gegen den 1. FC Nürnberg Süddeutscher Meister.

6.9. – Der amerikanische Außenminister Byrnes hält in der Staatsoper seine historische Rede mit der Botschaft, „dem deutschen Volk zu helfen, seinen Weg zurückzufinden zu einem ehrenvollen Platz unter den freien und friedliebenden Nationen der Welt“.

Herbst – Scharen von Stuttgartern ziehen in die Wälder bis auf die Schwäbische Alb, um zur Verbesserung der Fettversorgung Buchele zu sammeln. Vier Kilogramm Bucheckern ergeben einen Liter Öl. Die Amerikaner führen zur Linderung der größten Not Mais ein, der das Brot nun gelb macht.

12.11. – Als zweite überparteiliche Zeitung in Stuttgart erscheinen erstmals die „Stuttgarter Nachrichten“.

29 529 Wohnräume können instand gesetzt werden, doch die Wohnungsnot ist groß: pro Person werden acht Quadratmeter Wohnfläche zugestanden.

Zur Beseitigung des Schutts muss wegen fehlender Lastwagen die Straßenbahn und eine mit Dampf betriebene Trümmerbahn herhalten.

Sowohl Straßen wie auch Eisenbahnen fahren meist ohne Innenbeleuchtung, weil die Glühbirnen sofort gestohlen werden.


1947

Wegen der katastrophalen Versorgungslage bei Kohle und Energie wird zu Beginn des Jahres der allgemeine Notstand ausgerufen.

7209 Stuttgarter Kriegsgefangene sind nicht heimgekehrt, 7611 sind noch als vermisst gemeldet.

In der amerikanisch besetzten Zone wird die Entnazifizierung am schärfsten durchgeführt. Bis August gibt es 95 Spruchkammern, Formulare mit 131 Fragen müssen in doppelter Ausführung ausgefüllt werden. Ausgesprochen Berufsverbote bringen oft erhebliche Schwierigkeiten mit sich; so ist ein Krankenhaus von einem Tag auf den nächsten ohne Arzt.

Die Papierknappheit führt dazu, dass Zeitungen nur noch zwei Mal wöchentlich mit je zwei Seiten erscheinen und die Eisenbahn von Reisenden die abgelaufenen Fahrkarten zurückverlangt.

Es gibt wieder sieben Kinos in der Innenstadt und acht in den Außenbezirken, die zum Jahresende 4 260 279 Besucher melden können.

Die schnellsten Fortschritte beim Wiederaufbau macht der Telefonverkehr: Es gibt bereits 14 700 Anschlüsse, für weitere 2100 ist schon ein Nummer reserviert.


1948

7.3. – Bei der ersten Wahl des OB durch die Bevölkerung wird Arnulf Klett für sechs Jahre in seinem Amt bestätigt.

20.6. – Bei der Währungsreform kommen 458 141 Stuttgarter in die 420 Umtauschste­llen. Die alte Reichsmark, die Rentenmark und die Alliierte Militärmark sind nun durch die Deutsche Mark ersetzt, von der zunächst jeder 40 DM erhält.

Nach der Währungsreform kommt es zu zahlreichen Selbstmorden aus wirtschaftlichen Gründen. Die Finanznot der Stadt führt zu Tumulten in der unteren Königstraße und auf dem Bahnhofsplatz, die durch die Militärregierung unterbunden werden.

1.10. – Der Flughafen Echterdingen wird an das Verkehrsnetz der Pan American World Airways angeschlossen.

1.12. – Wegen der Isolation Berlins und der Luftbrücke muss auf alle Postsendungen eine „Notopfer Berlin“-Steuermarke zu zwei Pfennig geklebt werden.

8.12. – Der 100 000. deutsche Heimkehrer kommt mit einem Transport in Stuttgart an. In der Stadt sind 25 307 Flüchtlinge registriert.

Die hygienischen Zustände in den 16 Bunkern und Baracken, wo im Dezember noch 4371 Personen hausen, sind katastrophal.


1949

23.5. – Die Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland. Neben Bonn, Kassel und Frankfurt ist auch Stuttgart in der Diskussion als provisorische Bundeshauptstadt.

September – Zum ersten Mal nach dem Krieg findet wieder das Cannstatter Volksfest statt.

21.9. – Das Besatzungsstatut beendet die Arbeit der Militärregierungen, die durch Hohe Kommissare abgelöst werden.

1.10. – Als erste elektrifizierte Eisenbahnstrecke in Deutschland wird im Stück von Cannstatt nach Waiblingen der Betrieb aufgenommen.

Die Daimler-Benz AG kann wieder 60 Prozent ihrer früher bebauten Fläche nutzen und stellt die Personentypwagen 170 S und 170 D vor.

Breuninger eröffnet sein „Haus am Markt“.

Als Verlagsort steht Stuttgart mit 233 Buch- und Zeitschriften­verlagen wieder an erster Stelle in Westdeutschland.

54 000 Menschen besuchen das Landesgewerbe­museum, das als erstes wieder seine Pforten öffnet mit der Ausstellung „Wie wohnen?“


Die 50er Jahre

1950

Juli  – Der Ministerrat verleiht der Stadt das Recht zum Führen einer eigenen Stadtflagge.

Nach zehn Jahren werden die Lebensmittelkarten abgeschafft, auch die Rationierung von Strom und Gas kann aufgehoben werden.

Der VfB wird in Berlin mit einem Sieg über die Offenbacher Kickers Deutscher Fußballmeister.

Erstmals nach acht Jahren findet in Stuttgart wieder ein Länderspiel statt, das Deutschland gegen die Schweiz mit 1:0 gewinnt.

279 790 Gäste, darunter 38 023 Ausländer besuchen die Stadt, nicht zuletzt wegen der Deutschen Gartenschau, für die 500 000 Quadratmeter des Killesberggeländes instand gesetzt werden.

Die Wohnungsnot ist immer noch groß. Als in der Goethestraße 8 ein totes Kind entdeckt wird, rücken die „Stuttgarter Katakomben“ ins Bewusstein.


1951

9.12. – Bei einer Volksabstimmung stimmen 69,7 Prozent für die Bildung eines Südweststaates, in Stuttgart sogar 93 Prozent.

Dezember – Die verlängerte Startbahn des Echterdinger Flughafens wird freigegeben, der somit in die „interkontinentale“ Klasse aufrückt.

Mit den Musiktagen eröffnet der Süddeutsche Rundfunk seinen Sendesaal in der Villa Berg.

Zur Erinnerung an die immer noch 5500 Kriegvser­missten brennt im Hof des neuen Schlosses von November bis Jahresende eine acht Meter hohe Kerze.


1952

9.3. – Bei der verfassungsgebenden Landesversammlung wird der Name Baden-Württemberg festgelegt. Das neue Bundesland zählt 6 639 200 Einwohner und ist das zweitstärkste Industrieland.

Juni – Der Mercedesstern auf dem Bahnhofsgebäude dreht sich. Mit 87 Verkehrstoten belegt Stuttgart nach Köln den zweiten Platz in der Statistik.

Die neue von Architekt Guggenheimer entworfene Synagoge wird am alten Platz eingeweiht.


1953

17.6. – Bis zum Volksaufstand in Berlin hat Stuttgart viele Flüchtlinge aus der Sowjetzone aufgenommen. In Baden-Württemberg finden 26 Prozent Unterkunft.

26.7. – Der Grundstein für den Wiederaufbau der St. Eberhardkirche in der Königstraße wird gelegt.

31.10. – Der letzte Lastwagen mit Schutt fährt auf den Trümmerberg Birkenkopf.

Ausgerechnet zum 100-jährigen bestehen der Freiwilligen Feuerwehr gibt es bei Breuninger einen Großbrand, der ein Menschenleben kostet und einen Schaden von 1,3 Millionen DM verursacht.


1954

5.11. – Der Süddeutsche Rundfunk sendet zum ersten Mal bundesweit ein Programm.


1955

1.4. – 50 Jahre nach der Einweihung des im Krieg zerstörten Rathauses wird Richtfest für das neue gefeiert.

Mai  – Der erste Bauabschnitt des Mineralbads Leuze ist fertig, der Badebetrieb kann wieder aufgenommen werden.

Stuttgart hat jetzt 600 000 Einwohner.

Die ersten Parkuhren Baden-Württembergs werden in der Sophienstraße angebracht.


1956

5.2. – Der Fernsehturm wird eingeweiht. Mit seinen 211 Metern ist er das höchste Bauwerk in Deutschland und das zehnthöchste der Welt.

1.7. – Statt AW für Amerikanische Zone Württemberg steht nun ein S auf Stuttgarts Nummernschildern.

29.7. – Die neue Liederhalle wird eingeweiht.

5.11. – 4000 Menschen demonstrieren mit einem Schweigemarsch durch die Innenstadt gegen die Unterdrückung des Volksaufstandes in Ungarn.


1957

Die Musterung der ersten Wehrpflichtigen nach dem Krieg beginnt in der Funkerkaserne in Cannstatt.

Auf dem Neckarkanal nach Besigheim wird die Personenschifffahrt wieder aufgenommen.

Der heiße Sommer mit schweren Unwettern führt zur schlechtesten Obsternte seit 150 Jahren.

Beim schwersten Zugunglück seit Kriegsende stoßen im dichten Nebel im Cannstatter Bahnhof zwei Personenzüge zusammen; zehn junge Fahrgäste kommen ums Leben, 63 werden zum Teil schwer verletzt.


1958

Anfang des Jahres sorgt der Prozess gegen einen Gewürzgroßhändler für Aufsehen, der 12 000 Kilogramm Natrium-Nitrit an Metzgereien verkauft hatte. Mit der Menge hätte die ganze Stadt vergiftet werden können.

15.4. – Der siebenjährige Joachim Göhner aus Degerloch wird entführt. Sieben Tage später wird der Junge tot aufgefunden, am 6. Mai ein Gärtner aus dem Rheinland verhaftet, der sich in seiner Zelle erhängt.

31.3. – Bundespräsident Heuss eröffnet den Stuttgarter Hafen und das letzte Teilstück der 188 Kilometer langen Neckar-Großschifffah­rtsstraße.

16.10. – Aus Stuttgarter Wasserhähnen fließt zum ersten Mal Bodenseewasser aus einer 168 Kilometer langen Hauptleitung.

Der Wagenburgtunnel, der im Krieg ein Großluftschutzraum war, wird eröffnet und ist somit der längste Straßentunnel Westdeutschlands.


1959

Juli – Der heißeste Juli des Jahrhunderts, auch der September ist ungewöhnlich sonnig und lässt einen Jahrhundertwein heranreifen.

16.9. – Am Tag, nachdem Heinrich Lübke als zweiter Bundespräsident vereidigt wird, bezieht Theodor Heuss unter dem Jubel der Bevölkerung sein „Häusle“ am Feuerbacher Weg.

Das 100 000. Kraftfahrzeug wird in Stuttgart zugelassen.

Der Schockenbau von Erich Mendelsohn wird trotz Widerstandes von Denkmalschützern abgerissen, weil die Firma Horten unter Drohung von Schadensersat­zanspruch auf einem Neubau besteht.

Die Welturaufführung von „Sie kamen nach Cordura“ mit Gary Cooper und Rita Hayworth findet im Gloria-Palast statt – erstmals in Europa.

Das seit 1928 bestehende Konzert-Café Hindenburgbau schließt seine Pforten. „Die Jungen lieben die alte Musik nicht mehr, und die alten wollen den Lärm der modernen Kapellen nicht“, sagt Inhaber Hugo Greiner.

Nachdem sich bereits vier Menschen in die Tiefe gestürzt haben, wird auf der Plattform des Fernsehturms ein Schutzgitter angebracht.

An den ersten Plänen für das Hochhaus „Hannibal“ im Asemwald scheiden sich die Geister. Erst 1967 genehmigt es der Gemeinderat in abgewandelter Form.

Gegen den Widerstand der Bevölkerung verschwindet der ovale Anlagensee mit seinen alten Baumgruppen, der 1961 durch den modernen Eckensee ersetzt wird.

Wiederaufbau von Mineralbad Berg und Königsbau sind abgeschlossen.


Die 60er Jahre

1960

Die Staatsgalerie stellt die aus Lottomitteln für 10 Millionen Mark erworbenen 30 Meisterwerke aus der Sammlung Moltzau der Öffentlichkeit vor.

Der Wiederaufbau von Schloss Rosenstein ist nach neun Jahren abgeschlossen.

Die von Polizeipräsident Rau aufgestellte „Rau-Staffel“ aus 16 Kradfahrern soll das Rowdytum auf den Straßen eindämmen.

Zum ersten Mal seit Kriegsende findet wieder ein Landespresseba­ll statt.


1961

5.6. – Der neue Landtag wird seiner Bestimmung übergeben.

Juli  – Vier Monate nach der Eröffnung des Museums der Daimler-Benz AG wird der einmillionste Motor seit dem II. Weltkrieg fertiggestellt.

Zum dritten Mal findet in Stuttgart die Bundesgartenschau statt, zu der weitere 97 Hektar Grünanlangen gestaltet werden.

Das erste Hochhaus der Technischen Hochschule ist fertiggestellt, im Neubaugebiet Fasanenhof werden die ersten Wohnungen bezogen.

Die heftig umstrittene Verlängerung der Startbahn des Flughafens erlaubt jetzt den Flugbetrieb mit modernen Düsenmaschinen.


1962

Mai – Wie im gesamten Bundesgebiet setzt die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung ein, die einen rapiden Rückgang der Krankheit zur Folge hat. Allerdings kommen zu dieser Zeit in Stuttgart auch schon elf Kinder mit Missbildungen auf die Welt, die durch Contergan verursacht wurden.

38 350 Ausländer leben in Stuttgart, doch weiterhin herrscht Mangel an Arbeitskräften, weswegen die SSB Studenten als Schaffner einstellen.


1963

22.11. – Die Ermordung von John F. Kennedy löst auch in Stuttgart große Betroffenheit aus: Veranstaltungen werden abgesagt und für drei Tage wird Trauerbeflaggung angeordnet.

17.12. – Theodor Heuss stirbt und wird im Landtagsgebäude aufgebahrt, wo 50 000 Menschen Abschied von ihm nehmen.

An den Stuttgarter Volkschulen wird das 9. Pflichtschuljahr eingeführt und an den Gymnasien die Oberstufenreform.

Die Autobahn Stuttgart-Heilbronn ist mit der Fertigstellung des Engelbergtunnels vierspurig befahrbar.

Die Justizvollzug­sanstalt Stammheim öffnet ihre Pforten.

Der Mitteltrakt des Neuen Schlosses, wo sich die Repräsentation­sräume der Landesregierung befinden, wird eingeweiht.

Mit 245 Industrie­beschäftigten auf 1000 Einwohner steht Stuttgart in Westdeutschland an erster Stelle.


1964

Die Firma Bosch zieht sich aus der Innenstadt zurück, die Gebäude in der Breitscheidstraße werden vom Land zur Erweiterung der Technischen Hochschule und der Staatsbauschule gekauft.


1965

Königin Elisabeth II. und Prinz Philip sind zu Besuch in Stuttgart.

131 Jahre nach seiner Grundsteinlegung wird das wiederaufgebaute Wilhelmspalais wird seiner Bestimmung als Stadtbücherei übergeben.

Bei den Baulandpreisen liegt Stuttgart mit 126 DM pro Quadratmeter, für baureifes Land sogar mit 153 DM an der Spitze. Immer noch sind 39 000 wohnungssuchende Familien gemeldet.

Erste Politessen sind in Stuttgarts Straßen unterwegs.

Die bisherige Volksschule wird nach dem Schulverwaltun­gsgesetz in eine vierjährige Grundschule und die Hauptschule vom 5. Bis 9. Schuljahr aufgeteilt.

In der Wilhelma wird Isolde geboren, das erste Seeelefantenbaby, das länger als 24 Stunden in Gefangenschaft am Leben bleibt. Nach 18 Monaten stirbt sie an den Folgen von Bauchverletzungen, weil Besucher scharfe Steine ins Becken geworfen hatten.


1966

Mai  – Schwere Unwetter verursachen (auch im August) die größten Überschwemmungen seit Jahrzehnten. Das Leuze und die Königstraße sind überflutet.

Viele Stuttgarter meiden die Straßenbahn, nachdem sich zwischen Januar und August 88 Unfälle ereignet haben.

Der Hauptbahnhof wird nachts geschlossen, um die Belästigung durch „obdachlose Streuner, asoziale Elemente und gewisse Damen“ zu vermeiden. Wegen schwerer Schlägereien zwischen US-Soldaten und Einheimischen patroulieren MP-Soldaten in der Altstadt . Erneut übergießt sich in Stuttgart eine Frau mit Benzin und zündet sich an – der vierte Fall innerhalb weniger Monate.

Der Stuttgarter Friedenskreis ruft zu Protestkundgebungen gegen den Vietnamkrieg auf.


1967

Bei einem Protestmarsch von mehr als 1000 Griechen gegen die Errichtung der Militärdiktatur in ihrer Heimat kommt es zu Auseinanderset­zungen mit der Polizei.

Der Aquarien- und Terrarienneubau mit Krokodilhalle in der Wilhelma erweist sich als Publikumsmagnet.

Stuttgart wird an das Netz der Trans-Europa-Express-Züge (TEE) angeschlossen, die letzte Dampflokomotive wird verschrottet.

Der größte Brand seit Kriegsende von zwei Lagerhallen der Südzucker AG löst ein großes Fischsterben aus, weil Zucker in den Neckar geschwemmt wird.

Zum ersten Mal seit der Währungsreform stagniert die Wirtschaft, in der Industrie kommt es zu Kurzarbeit und Freisetzungen.


1968

1.1. – Wegen des Wegfalls der Preisbindungen für Altbauwohnungen durch die Abschaffung der Wohnungszwangswir­tschaft werden Mieterhöhungen von bis zu 125 Prozent befürchtet.

12.7. – Der Neckarkanal zwischen Stuttgart und Plochingen wird eröffnet.

4.12. – Der 100 Millionen Mark teure Kleine Schlossplatz wird eingeweiht.

Nach 13-jähriger Planungs- und Bauzeit ist das größte Hochbauprojekt Stuttgarts fertiggestellt – das Katharinenhospital mit 1000 Betten.

Auch in Stuttgart kommt es zu Studentenunruhen, die sich am neuen Hochschulgesetz und an dem Notstandsgesetz entzünden. 800 Studenten demonstrieren gegen das Vorgehen der Berliner Polizei beim Schah-Besuch und den Tod von Benno Ohnesorg.


1969

April – Zum ersten Mal kommt Südwest 3 auf den Fernsehbildschirm.

20.7. – Von der Mondlandung profitiert auch die Deutsche Funkausstellung auf dem Killesberg, die einen Rekord von 700 000 Besuchern vermelden kann.

Aus Angst vor Ausschreitungen bei der Lesung der Novelle des neuen Hochschulgesetzes wird der Landtag mit 600 berittenen Polizisten geschützt. Doch die Studenten demonstrieren friedlich.

Die Konrad-Adenauer-Straße wird eingeweiht.

Das Theater der Altstadt brennt aus unbekannter Ursache völlig nieder und bekommt im Kammertheater eine vorläufige Bleibe.

Tausend Luftballons steigen vom Gaswerk auf um zu zeigen, dass zum ersten Mal Erdgas nach Stuttgart kommt.

Anlässlich des zweitägigen Leichtathletik-Erdteilkampfes Europa-Amerika erhält das Neckarstadion für 900 000 DM die erste „farbfernsehen­gerechte Fluchtlichtanalage“ der Bundesrepublik.

Die schwerste Virusgrippe seit 1943 sucht Stuttgart heim; man zählt 63 Grippetote, vier davon sind dem sogenannten Hongkong-Virus erlegen.


Die 70er Jahre

1970

Als 75 000. Ausländerin in der Stadt wird die Schwedin Sigbritt Marianne Persson begrüßt. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind die Jugoslawen (20 000) gefolgt von den Italienern (18 000) und den Griechen (10 000).

In den vergangenen zwölf Jahren sind die Bauplatzpreise um das Achtfache gestiegen, der soziale Wohnungsbau droht gänzlich zu erliegen.

Nach sechs Jahren Bauzeit wird der Neubau der Landesbibliothek eröffnet.

Auch in Stuttgart streiken Gymnasiasten gegen den Numerus Clausus, wegen des Wohnungsmangels werden die Bürger aufgerufen, Zimmer an Studenten zu vermieten.


1971

Die Umweltverschmutzung nimmt zu: zu Beginn des Jahres erreicht der Schwefeldioxid­gehalt der Luft die zulässige Höchstgrenze, im Frühjahr führt Sauerstoffmangel im Neckar zu einem verheerenden Fischsterben.

Bundesverkehrsmi­nister Leber gibt am Hauptbahnhof das Startzeichen für den Bau des geplanten 168 Kilometer langen S-Bahn-Netzes, das 1980 fertig sein soll.

Mit zwölf Böllerschüssen wird der Breuninger-Markt eingeweiht.

Nach 14-jähriger Bauzeit öffnet das Landesmuseum im Alten Schloss.

Die ersten fünf elfenbeinfarbigen Taxis sind unterwegs, das letzte schwarze verschwindet in sechs Jahren.


1972

21.2. – Die Entführung der Lufthansamaschine „Baden-Württemberg“ führt zu verschärften Sicherheitsmaßnah­men. Weitere Flugzeugentführun­gen und eine Protestaktion der Piloten bringen auch den Betrieb in Stuttgart fast zum Erliegen.

2.6. – Einer anonymen Drohung zufolge sollen in der Innenstadt drei Autobomben gezündet werden. Wegen Großalarms bleiben viele Geschäfte geschlossen, doch es kommt zu keiner Explosion.

15.8. – Das schwerste Unwetter seit Jahrzehnten richtet auch in Stuttgart große Schäden an; die Unterführungen stehen unter Wasser, der Straßenbahnbetrieb muss eingestellt werden.

Die Finanzlage der Stadt stößt an ihre Grenzen. „Weitere Schulden übersteigen jedes vernünftige Risiko“, sagt der Stadtkämmerer.

Der in der unteren Königstraße eröffnete Kaufhof zählt mit seinen 16 200 Quadratmetern Verkaufsfläche zu den größten Warenhäusern der Republik.


1973

25.11. – Wegen der Ölkrise kommt es in Stuttgart zum ersten autofreien Sonntag.

Die neue Tiefgarage unterm Schillerplatz wird eröffnet. Bei ihrem Bau hatte man Fundgegenstände ausgegraben, die bis ins 13. Jahrhundert zurückgehen.

Das alte zieht ins neue Robert-Bosch-Krankenhaus um. Auch der Neubau des Olga-Hospitals ist bezugsfertig.

Die kommunalen blauen werden von den grünen Uniformen der Landespolizei abgelöst.


1974

14.8. – Der plötzliche Tod Arnulf Kletts während eines Kuraufenthalts im Schwarzwald schockt die Stadt.

1.12. – Mit 58,9 Prozent der Stimmen wird Manfred Rommel zum Oberbürgermeister gewählt.

Stuttgart hat ein Rauschgiftproblem. Laut einer Umfrage hat jeder dritte Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren Erfahrungen mit Drogen.

Der Gemeinderat beschließt den Bau eines neuen Planetariums und die Verlängerung der Fußgängerzone auf die untere Königstraße.

Vier lange Nächte feiern die Fans mit der polnischen, argentinischen, italienischen und schwedischen Mannschaft in der Innenstadt ein Fest anlässlich der Fußball-WM.


1975

Februar – Nach einem 140-tägigen Hungerstreik gegen die Isolationshaft wird in Stammheim der Prozess gegen Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Jan-Karl Raspe eröffnet.

Schwerer Hagel vernichtet 70 bis 80 Prozent der Weinernte.

Der VfB Stuttgart steigt in die zweite Liga ab.

Das Volljährigkeit­salter wird bundesweit von 21 auf 18 herabgesetzt.


1976

1.1. – Nach 50-jährigem Bestehen als freier Verein werden die Stuttgarter Philharmoniker zum städtischen Orchester. Auch die Musikschule wird von der Stadt übernommen.

März – Der SDR sendet zum ersten Mal aus seinem neuen Funkhaus in der Neckarstraße, das 181 Millionen DM gekostet hat.

9.5. – Ulrike Meinhof erhängt sich in ihrer Zelle in der JVA Stammheim.

August – Das erste Weindorf wird auf dem Markt- und Schillerplatz eröffnet, die Wengerter können sich über ein ungewöhnlich gutes Weinjahr freuen.

Der Gemeinderat erklärt das Bohnenviertel zum reinen Wohngebiet. Nach fünfjähriger Bauzeit wird die Klett-Passage eröffnet.

In Möhringen wird das neue Verlags- und Druckzentrum der Stuttgarter Zeitungen eröffnet.


1977

25.3. – Bundespräsident Scheel eröffnet im Alten Schloss die Ausstellung „Die Zeit der Staufer“, die europaweit Beachtung findet und mit 671 000 Besuchern bis heute die erfolgreichste Landesschau ist.

29.4. – Scheel eröffnet die Bundesgartenschau, anlässlich derer die zehn Berger Sprudler errichtet werden.

Nach zwei Jahren gelingt dem VfB wieder der Aufstieg in die Bundesliga.

28.4. – Nach fast zweijähriger Prozessdauer werden in Stammheim die Urteile gegen die RAF-Mitglieder gesprochen: lebenslange Freiheitstrafen für Baader, Ensslin und Raspe.

5.9. – Um sie und weitere Angehörige der RAF freizupressen, wird in Köln Arbeitergeber­präsident Schleyer entführt, am 11. September wird er ermordet aufgefunden.

18.10. – Nachdem ein Spezialkommando des Bundesgrenzschutzes die Geiseln in der entführten Lufthansamaschine in Mogadischo befreit hat, begehen Baader, Ensslin und Raspe in ihrer Zellen in Stammheim Selbstmord. Das Begräbnis am 27. Oktober auf dem Waldfriedhof wird zum Politikum.

Erst jetzt, da Ministerpräsident Filbinger eine Urkunde der Landesregierung unterschrieben hat, darf sich Stuttgart offiziell Landeshauptstadt nennen.

Bei der Umgestaltung des Schlossplatzes entscheidet sich der Ministerrat für die „historische Lösung“

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1978

Mai – Heftige Regenfälle führen zur größten Überschwemmung seit Menschengedenken, der Neckar erreicht seinen Höchststand seit 1824 und setzt weite Teile des Landes unter Wasser.

Juli – Die umgestaltete Calwer Straße wird Fußgängerzone, in der Calwer Passage öffnen die ersten Geschäfte.

7.8. – Auf Drängen der CDU erklärt Filbinger, dessen Vergangenheit als „Hitlers Marinerichter“ (Rolf Hochhuth) publik wurde, seinen Rücktritt. Lothar Späth tritt die Nachfolge an.

3.9. – Ein schweres Erdbeben im Zollerngraben lässt auch in Stuttgart die Wände wackeln.

29.9. – Die Stuttgarter S-Bahn wird eingeweiht. An den dreitägigen Festlichkeiten nehmen 500 000 Menschen teil.

Die Zahl der Asylbewerber ist von 238 im Vorjahr auf 874 gestiegen.

Kurz vor Ende des Jahres ist die Bodenseeautobahn Stuttgart-Singen fertiggestellt, die pro Kilometer 7,7 Millionen DM kostete.


1979

In der Neujahrsnacht fällt das Thermometer um 27 Grad: von plus 11 auf minus 16 Grad.

2,3 Millionen DM schießt die Stadt dem Bau eines Frauenhauses zu, in dem misshandelte Frauen mit ihren Kindern Zuflucht finden sollen.

35 000 Besucher kommen zum Lichterfest auf den Killesberg, mit dem das 40-jährige Bestehen des Höhenparks begangen wird.

Die Stadt kauft den Tagblatt-Turm und angrenzende Grundstücke, um ein „Zentrum Kultur unterm Turm“ zu errichten.


Die 80er Jahre

1980

16.3. – Die Grünen ziehen mit einem Stimmenanteil von 5,9 Prozent erstmals in den Landtag ein. Bei der Gemeinderatswahl am 22. Juni erzielen sie 5,5 Prozent.

August – Gelber Staub mit teilweise linsengroßen Körnchen geht auf Stuttgart nieder – die Folgen des Vulkanbrauchs St. Helens in den USA.


1981

Es kommt zu mehreren Hausbesetzungen in der Stadt. In Stuttgart werden 40 000 Wohnungsuchende, darunter 4500 sogenannte Notfälle gezählt. 63 Prozent aller Obdachlosen in Baden-Württemberg leben in Stuttgarts Straßen.

60 Kernkraftgegner besetzen die Ausstellungsräume der TWS.

Nach dem Papstattentat versammeln sich hunderte von Katholiken zum Fürbittgottesdienst in St. Eberhard.

Die Aufstellung der Plastik des amerikanischen Bildhauers Alexander Calder auf dem Kleinen Schlossplatz löst heftige Kontroversen aus.


1982

22.1. – Zum ersten Mal wird in der Stadt Smogalarm der Vorwarnstufe I ausgelöst.

Anlässlich zum 30-Jahr-Jubiläum des Landes Baden-Württemberg besucht auch Mutter Teresa die Stadt.

Die Zahl der Konkurse (17) und der Arbeitsplatzver­luste liegt weit über dem Durchschnitt der vorhergehenden Jah­re.

Zum ersten Mal in der 25-jährigen Geschichte des Fernsehturms muss die Feuerwehr anrücken, um 26 Personen aus den steckengebliebenen Fahrstühlen zu befreien.


1983

Am Neckartor wird das Berufsinforma­tionszentrum (BIZ, 28.2.) eröffnet, am Wasen die Hanns-Martin-Schleyer-Halle (14.9.).

4.10. – Als erste Einrichtung seiner Art wird das Schriftstellerhaus eingeweiht.

19.10. – Das Mineralband Leuze wird mit einem Kostenaufwand von 46 Millionen DM neu gestaltet.

31.10. – Nach fünfjähriger Bauzeit wird als zweiter öffentlicher Verkehrsknotenpunkt die unterirdische Haltestelle Stadtmitte/Ro­tebühlplatz eingeweiht. Damit ist das unterirdische Streckennetz fertiggestellt.

Auf dem Gelände des Schwabenzentrums wird das letzte Vergnügungslokal abgerissen. Die „Vereinigten Hüttenwerke“ gehören somit der Vergangenheit an.

17.4. – Die umstrittene Volkszählung wird auf Beschluss des Bundesverfassun­gsgerichts aufgeschoben.

22.10. – Mehr als 200 000 Menschen bilden eine Menschenkette zwischen Stuttgart und Ulm und demonstrieren für Abrüstung.

Der Stuttgarter Physiker Ulf Merbold startet als erster Bundesdeutscher zusammen mit fünf US-Astronauten in Cap Canaveral mit der Columbia ins All.


1984

9.3. – Nach sechsjähriger Bauzeit wird mit der neuen Staatsgalerie der größte Kulturbau in der Nachkriegsges­chichte des Landes eröffnet. Bereits am 22. Juni kann der 500 000. Besucher gezählt werden.

29.3. – Nach jahrelangen kommunalpolitischen Auseinanderset­zungen wird in Wangen das Theaterhaus eröffnet.

23.5. – Der 1920 in Stuttgart geborene Richard von Weizsäcker wird zum Bundespräsidenten gewählt.

26.5. – Trotz einer Niederlage gegen den Hamburger SV wird der VfB wegen seines besseren Torverhältnisses wird zum dritten Mal Deutscher Meister.

16.10. – Der am Stuttgarter Max-Planck-Institut für Festkörperforschung lehrende Klaus von Klitzing erhält den Nobelpreis für Physik.

Dezember – Der Halleysche Komet ist auch über Stuttgarts Himmel zu sehen.


1985

Minus 25,2 Grad ist die tiefste Temperatur seit 29 Jahren. Wegen der Kälte platzen in der Königstraße zahlreiche Heizkörper und verursachen einen Schaden von 1,5 Millionen DM.

Der Stuttgarter Händler und Künstler Konrad Kujau wird in Hamburg als Fälscher der Hitler-Tagebücher zu viereinhalb Jahren Gefängnisstrafe verurteilt.

Bei einem Bombenanschlag im Vaihinger Industriegebiet wird der der terroristischen Szene zugeordnete Johannes Thimme zerfetzt, seine Helferin Claudia Margarete Wannersdorfer schwer verletzt.

Die Sozialhilfeausgaben der Stadt sind gegenüber denen im vergangenen Jahr um 480 Prozent gestiegen. Mehr als 12 000 Familien sind auf Hilfe zum Lebensunterhalt angewiesen.


1986

Januar – Die Daimler-Benz AG richtet das Jubiläum „100 Jahre Automobil“ aus, auf dem auch Kanzler Helmut Kohl und Bundespräsident Richard von Weizsäcker erscheinen.

26.4. – Das schwere Reaktorunglück in Tschernobyl alarmiert auch die Stuttgarter Bevölkerung. Bestände an Kalium-Jod-Tabletten sind ausverkauft, am 5. Mai werden auf dem Großmarkt in Wangen mehr als 100 strahlenbe­lastete Kisten mit Spinat, Salat und Rhabarber vernichtet.

26.-31.8. – Das sportliche Hauptereignis des Jahres sind die 14. Leichtathletik-Europameister­schaften. Die Schleyerhalle wird für 1500 Journalisten zum Pressezentrum umgerüstet.

Das jahrelange Hin und Her der Öffnungszeiten in der Klettpassage wird vom Bundestag mit der Billigung von Ausnahmen beendet, der Abendverkauf bis 22 Uhr ist gesichert.


1987

Frühjahr – Die Frage des Flughafenausbaus und die geplante Teststrecke von Daimler-Benz in Boxberg führen zu heftigen Kontroversen.

Frühjahr – Auf dem internationalen Architektensym­posium wird erstmals die Überdeckelung der Konrad-Adenauer-Straße zur Kulturmeile diskutiert.

4.7. – Die dritte Etappe der Tour de France führt von Karlsruhe nach Stuttgart und löst Begeisterung aus.

Auf den ersten 35 Kilometern der Neubaustrecke Mannheim-Stuttgart wird der 320 Stundenki­lometer schnelle „Inter-City-Experimental“ getestet.

Nach vielen Jahren hat sich erstmals wieder die Einwohnerzahl erhöht – um knapp 4000 auf 586 844, was überwiegend den Zuzügen aus dem Norden der Republik zu verdanken ist.


1988

24.2. – Im früheren und renovierten Landesgewerbeamt wird das Haus der Wirtschaft eingeweiht.

27.2. – Mehr als 100 000 Gewerkschaftler aus dem ganzen Bundesgebiet demonstrieren auf dem Schlossplatz für Arbeitszeitver­kürzung.

11.3. – Die Öffnungszeiten für Gaststätten werden generell von zwölf Uhr auf ein Uhr ausgedehnt.

11.5. – Die Stadt errichtet das Amt für Umweltschutz.

30.5. – Die Stuttgarter Kickers feiern in der Stadt ihren Aufstieg in die erste Bundesliga, der schon am 19. Mai durch einen Auswärtssieg gegen Rot-Weiß Oberhausen gelungen war.

16.6. – Der Gemeinderat beschließt eine Fehlbelegungsabgabe für besserverdiendende Mieter von Sozialwohnungen, deren Familieneinkommen mindestens 20 Prozent über der Berechtigungsgren­ze liegt.

8.-17.7. – Als Gegenbesuch zum Weindorf gastiert zum ersten Mal der Hamburger Fischmarkt auf dem Karlsplatz.

17.9. – Das Nobelhotel Intercontinental (heute Le Méridien) wird eingeweiht.

26.11. – Zum ersten Mal ist das lange angekündigte elektronische Parkleitsystem in Betrieb, an dem sieben City-Parkhäuser angeschlossen sind.

22.12. – Die Wilhelma gibt den Tod des Flusspferdes Egon bekannt. Das Tier war qualvoll verendet, weil ihm ein Besucher einen Tennisball ins Maul geworfen hatte.


1989

18.1. – Mehr als 15 000 Studenten protestieren in der Innenstadt gegen schlechte Studienbedingungen und Wohnungsnot.

30.1. – 60 Hausbesitzer aus der Neckarstraße und Wohnungssuchende stürmen das Liegenschaftsamt, das von einem großen Polizeiaufgebot geräumt wird.

28.2. – Eine Auswertung der Volkszählung bei den Arbeitsplätzen ergibt, dass Stuttgart zwischen 1970 und 1987 rund 5000 Arbeitsplätze, aber auch 81 000 Einwohner verloren hat.

1.3. – Erstmals findet in Stuttgart im Gustav-Siegle-Haus eine Esoterikmesse stat­t.

16.3. – Gründung des Onkologischen Schwerpunkts Stuttgart, bei dem sich 40 Krebsspzezi­alisten aus Stuttgarter Krankenhäusern treffen.

24.4. – Im Kraftwerk Münster wird mit dem Bau eines umweltfreundliche­ren Kohlekessels begonnen, der 115 Millionen DM kostet.

14.6. – Michael Gorbatschow besucht die Stadt – damals noch in seiner Funktion als Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Vorsitzender des Obersten Sowjets und Staatspräsident der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.

17.6. – Trotz eines 1:0-Sieges über den 1. FC Nürnberg steigen die Stuttgarter Kickers wieder in die zweite Liga ab.

4.7. – Ob Rommel verkündet, dass die Stadt bis zum Jahr 2000 rund 20 000 neue Wohnungen benötige, um die Wohnungsnot und den erwarteten Zuzug von Ausländern bewältigen zu können.

8.8. – Auf der Gaisburger Brücke tötet ein Afrikaner zwei Polizisten und verletzt drei weitere, eher er selbst erschossen wird.

29.8. – Das Statistische Amt veröffentlicht eine Studie, laut der zwischen 1968 und 1988 in Stuttgart 2,2 Millionen Quadratmeter Büroflächen gebaut worden sind – pro Jahr 106 000 Quadratmeter vor allen in den Außenbezirken.

5.10. – Die Karlspassage und der Kuppelbau zwischen Hochhaus und Mittelbau von Breuninger werden eröffnet.

13.11. – Nach dem Mauerfall am 9. November haben am Wochenende mehr als 800 DDR-Bürger ihre Verwandten in Stuttgart besucht. Die Stadt zahlt 80 000 DM Begrüßungsgeld aus.

In Stuttgart beziehen 10 000 Haushalte Wohngeld, die Zahl der Anspruchsberechtig­ten ist doppelt so hoch.


Die 90er Jahre

1990

1.7. – Die neue Daimler-Benz-Zentrale in Möhringen wird auf einem sogenannten „Nachbarschaftstag“ vorgestellt.

25.9. – Bundespräsident von Weizsäcker wird zum Ehrenbürger der Stadt ernannt.

24.10. – Die SSB stellen ihren Leitstellenraum im neuen Betriebsgebäude in der Hauptstätter Straße vor.

13.11. – Die Akademie Schloss Solitude wird eröffnet.

An seinem 100.Geburtgag weiht das Marienhospital seinen Neubau ein.


1991

12.1. – Auf dem Schlossplatz demonstrieren 30 000 Menschen gegen den drohenden Golfkrieg.

17.1. – Nach dreieinhalbjähriger Bauzeit wird der Treffpunkt Rotebühlplatz als neues Kultur- und Bildungszentrum der Stadt eröffnet.

18.2. – Nach zweijähriger Bauzeit wird das Hegelhaus eingeweiht.

26.3. – Das neue Fluggastgebäude am Flughafen wird eröffnet.

11.7. – In der Wilhelma wird die 23 Millionen DM teure Anlage für Bären und Klettertiere eingeweiht.

22.11. – Mit einer hundertköpfigen Delegation besuchen Boris Jelzin und seine Frau Naina die Stadt.


1992

Februar – Für Asylbewerber werden an der Landhauskreuzung in Möhringen Einfachwohnungen erstellt.

16.5. – Der VfB wird zum vierten Mal Deutscher Fußballmeister. 60 000 Fans jubeln zwei Tage lang in der Innenstadt. Die Stuttgarter Kickers hingegen steigen aus der ersten Bundesliga ab.

22.6. – Ein Großbrand im Firnhaber-Bau in der Kronprinzstraße verursacht einen Schaden von 20 Millionen DM.

1.10. – Der Gemeinderat wählt Wolfgang Schuster zum Bürgermeister für Kultur, Schule und Sport.

20.12. – 120 000 Menschen demonstrieren gegen Ausländerfein­dlichkeit und Gewalt.


1993

15.3. – Der Neubau des Kultur- und Kongresszentrums Liederhalle mit dem Hotel Maritim wird eingeweiht.

16.4. – Die Freitreppe zum kleinen Schlossplatz ist fertiggestellt.

20.4. – Der Berger Tunnel wird für den Verkehr freigegeben.

23.4. – Die IGA-Expo wird eröffnet, mit der das sogenannte grüne U geschlossen wird.

27.4. – Der Funktionsneubau des Katharinenhospitals ist fertiggestellt.

4.5. – Die Überdachung des Gottlieb-Daimler-Stadions ist vollendet.

3.6. – Türkische Mitbürger ziehen mit Zehntausenden von Stuttgartern in Gedenken an die Mordopfer von Solingen durch die Stadt.

13.8. – Bundespräsident von Weizsäcker eröffnet im Daimlerstadion die Leichtathletik-Weltmeisterschaf­ten. Die Stuttgarter Welle der Begeisterung geht um die ganze Welt.


1994

16.3. – Bei einem Brand in der Geißstraße kommen sieben Menschen ums Leben, 16 werden verletzt.

25.7. – Das für 55 Millionen DM erbaute Mineralbad Cannstatt wird eröffnet.

25.11. – Die Neubauten der Südwestdeutschen Landesbank hinter dem Hauptbahnhof werden eingeweiht.

2.12. – Mit der deutschen Erstaufführung von „Miss Saigon“ wird der größte Teil des Freizeit- und Erlebniszentrums SI eröffnet und Stuttgart zur Musicalstadt.


1995

9.4. – Der schwäbische Volksschauspieler und zusammen mit Willy Reichert als Häberle und Pfleiderer berühmt gewordene Oscar Heiler stirbt im Alter von 88 Jahren.

5.5. – Die Ballettdirektorin Marcia Haydée gibt ihren Rückzug ins Privatleben bekannt.

4.10. – Der Neubauteil der Start- und Landebahn des Flughafens wird für den Betreib freigegeben.


1996

7.3. – Der Neubau der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst wird eingeweiht.

12.9. – Das amerikanische Konsulat in Stuttgart schließt, das Amerika-Haus in der Theodor-Heuss-Straße wurde schon am 24. Januar 1995 geschlossen.

17.12. – Oberbürgermeister Manfred Rommel wird in den Ruhestand verabschiedet.


1997

1.3. – Der evangelische Gesamtkirchenrat beschließt eine Modernisierung und Renovierung der Stiftskirche.

9.4. – Das neue Mercedes-Motorenwerk wird eröffnet und gilt als „Fabrik der Zukunft“.

15.4. – Der Süddeutsche Rundfunk (SDR) und der Südwestfunk (SWF) fusionieren zum Südwestrundfun­k (SWR).

14.6. – Der VfB gewinnt den DFB-Pokal.

26.6. – Wolfgang Schuster wird offiziell in das Amt als Oberbürgermeister eingeführt.


1998

25.-28.3. – Die Aktion „Let's putz“ wird ins Leben gerufen.

27.3. – Im Alter von 88 Jahren stirbt Ferdinand Porsche.


1999

20.3. – In der ersten „langen Nacht der Museen“ sind 20 000 Menschen unterwegs.

15.4. – Rund um den Außenministergipfel finden in der Landeshauptstadt zahlreiche Veranstaltungen stat­t.

24.5. – Jürgen Klinsmann verabschiedet sich im Daimlerstadion vom Leben als aktiver Fußballer.

22.6. – Der Dalai Lama besucht Stuttgart und wird von OB Schuster empfangen.

11.8. – Trotz schlechten Wetters wollen auf dem Schlossplatz 200 000 Menschen die totale Sonnenfinster­nis sehen.

26.12. – Der Orkan Lothar richtet im ganzen Land und auch in den Wäldern von Stuttgart schwere Schäden an.


Zeitzeugenberichte

Straßenbahnunglück am Marienplatz 1975:
Damals gab es die unterirdische Straßenbahn noch nicht so lange und dann passierte ein schweres Unglück, als die Straßenbahn die Haltestelle Marienplatz verlassen hat. Ich kann mich noch gut an die...

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