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Ölkrise in den 70er Jahren

1970-1979

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Viele Stuttgarter haben während der Ölkrise in den 70er Jahren tatsächlich das Auto stehen gelassen. Wie haben Sie damals auf die hohen Benzin- und Heizölpreise reagiert? Haben Sie Bilder von leeren Straßen und weinenden Autofahrern geschossen? Erweitern Sie unser Topthema mit Ihrem Zeitzeugenbericht und Ihren Fotos - wir sind gespannt.

Foto: Hans-Peter Feddersen
Bei solchen Spritpreisen (in DM gerechnet!) würden sich heute Autofahrer eine ganze Garage mit Kanistern vorstellen. In der sogenannten Ölkrise 1973 brachten sie dagegen viele Fahrer auf die Palme. Ungewöhnliche Protestaktionen zeugen davon: Hier haben sich Tankkunden als Scheichs verkleidet.

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Die OPEC dreht 1973 den Ölhahn zu, weltweit kommt es zu Engpässen. Die Preise für Treibstoff und Heizöl steigen, die Angst geht um, bald nicht mehr mobil zu sein und im Winter erbärmlich zu erfrieren. Ein Rückblick auf die Ölkrise in Stuttgart in den 70er Jahren.

Von Thomas Schwarz

Im Herbst 1973 drosselt die Organisation der erdölfördernden Länder (Opec) die Fördermenge um rund fünf Prozent. Die Auswirkungen sind verheerend: Der Rohölpreis schnellt in die Höhe, Preissteigerungen in nicht gekannter Höhe für alle Arten von bislang billigen Ölprodukten setzen ein. „Wer sich heute seinen Heizöltank auffüllen lassen will, muss tief in die Tasche greifen. Der Liter kostet zurzeit 37 bis 42 Pfennige“, kann man im Lokalteil der Stuttgarter Zeitung am 10. November 1973 lesen. Doch bis zum Jahresende kommt es noch dicker. „Die Bundesregierung kann jetzt im Notfall ein Fahrverbot erlassen“, titelte die Zeitung am selben Tag.

Hamsterkäufe und das Fahrverbot

Die Ölkrise beherrscht sofort die Schlagzeilen. Meldungen über den Watergate-Skandal oder das Waffenstillstan­dsabkommen zwischen den USA und Nordvietnam treten in den Hintergrund. Der Mangel an Öl betrifft alle. „Das schwarze Gold steigt wieder im Kurs“, schreibt Henry Glass in der Stuttgarter Zeitung. „Hamsterkäufe bei Öl“ seien zu verzeichnen. Am letzten Novemberwochenende tritt ein, was bis dahin keiner nur im Traum erwartet hätte: Der Bundeskanzler Willi Brandt erlässt für Sonntag, 25. November, ein allgemeines Fahrverbot für Personen- und Lastkraftwagen. Nur mit Sondergenehmigungen darf fahren, wer beruflich muss.

Eine Woche zuvor haben bereits die ersten Tankstellen sonntags geschlossen, weil die Tanks leer sind. Auch beim Heizen sehen viele Bewohner des Großraums Stuttgart schwarz. „Jeder zweite Auftrag ist ein Hamsterkauf“, verrät ein Stuttgarter Heizölhändler. Kohleträger sind plötzlich wieder gefragt, und angeblich heißt es nun wieder öfter an den Haustüren: „Mutter, der Mann mit dem Koks ist wieder da!“ Die Furcht, im Winter frieren zu müssen, spukt in den Köpfen der Bevölkerung. Was, wenn das Heizöl nicht reicht? Viele haben den Krieg und die Nachkriegszeit erlebt, wissen, was für ein unbeschwerter Luxus dagegen in den 60er Jahren herrschte. Statt morgens in der kalten Wohnung den Kohleofen anzuheizen, ist man gewohnt, die Zentralheizung bequem eine Stufe höher zu drehen. In vielen Haushalten wird nur noch mit Öl oder Gas geheizt. Wer noch Holz- oder Kohleöfen hat, scheint nun im Vorteil zu sein.

Angst vor Mobilitätsverlust

„Fuß vom Gas“, lautete der Titel des Leitartikels der Stuttgarter Zeitung am 24. November. Nicht nur, dass die Fahrverbote tatsächlich umgesetzt werden, auch ein allgemeines Tempolimit von 100 Stundenki­lometern wird für sechs Monate in Kraft gesetzt. Zwar wirbt Renault zum Jahresende unverdrossen mit dem „Programm 74“ (Renault 17 TL/TS, 1,6 Liter, 90/108 PS, 170/180km/h), doch allmählich stellt sich vielen die Frage, wie sie in Zukunft mobil sein werden mit dem eigenen Fahrzeug oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Kaum zum eigenen Auto gekommen, fürchten viele bereits wieder dessen Verlust. „Autofahrer fragen, Versicherer antworten“, steht in großen Lettern über einer ganzseitigen Anzeige in der Zeitung. Darin beruhigt der Verband der Haftpflichtver­sicherer die deutschen Autofahrer, dass der Schadenfreihe­itsrabatt nicht verloren geht, sollte ein Fahrverbot länger dauern als sechs Monate. Auch das Thema Fahrgemeinschaft wird nun aktuell: Sind da alle Beteiligten versichert, die im Auto sitzen?

Willi Brandt spricht in Bezug auf die Ölkrise von der „schwersten Belastungsprobe seit dem Zweiten Weltkrieg“, im Schwarzwald beklagt die Touristikbranche starke Umsatzeinbußen trotz bester Schneeverhältnisse: Die Gäste an den Skiliften bleiben an den Sonntagen aus. An den autofreien Tagen sind dagegen Scharen von Leuten zu Fuß auf den Straßen unterwegs, auch auf den Autobahnen und Schnellstraßen.

Wer eine Sondergenehmigung hat, muss sich oft genug rechtfertigen und sein Schreiben vom Landratsamt vorweisen. Wer fährt, wird beschimpft.„Er­freuliches meldet die Polizei vom gestrigen autolosen Sonntag. Von den rund 180 Fahrzeugen, die bei insgesamt acht Kontrollen bis 17 Uhr kontrolliert wurden, waren alle berechtigterweise unterwegs. Es gab keine Beanstandungen“, erfahren die Leser der Stuttgarter Zeitung am Montag, 17. Dezember, einen Tag nach dem vierten und letzten autofreien Sonntag. Vergessen sind diese bis heute nicht.


Benzinpreise in den 70er Jahren

Die Ölkrise in den 70er Jahren haben vielen Menschen das Autofahren kräftig verleidet. Und das waren die Spritpreise, über die sich die Menschen damals so furchtbar erregt hatten. Wir würden uns heute drüber freuen.

Normal

Aral 87,9 Pfennig

Shell 85,9 Pfennig

Esso 85,7 Pfennig

BP 85,7 Pfennig

Agip 82,9 Pfennig

Super

Aral 94,9 Pfennig

Shell 92,9 Pfennig

Esso 92,7 Pfennig

BP 92,9 Pfennig

Agip 90,9 Pfennig

Diesel

Aral 90,9 Pfennig

Shell 87,9 Pfennig

Esso 87,9 Pfennig

BP 89,9 Pfennig

Agip 86,9 Pfennig

Bei Selbstbedienung verringern sich die angegebenen Pfennigpreise um drei Pfennig.


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